Johannesburg

Die Geschichte zeigt: Je länger ein Mann oder eine Partei an der Macht ist, desto despotischer wird die Herrschaft. Überall in Afrika sind nach dem Ende des Kolonialismus Staaten unter der Last von Korruption und Mißmanagement, Nepotismus, Staatsstreichen, Militärdiktaturen und Bürgerkriegen zusammengebrochen. Natürlich könnten wir Afrikaner einwenden, Korruption und Mißwirtschaft seien nicht nur auf unseren Kontinent beschränkt - man denke nur an die Skandale, die regelmäßig die Regierungen im Süden Europas erschüttern. Aber derartige Vergleiche sind wenig hilfreich: Ein Fehler wird nicht aufgehoben, weil ihn auch andere begehen.

Simbabwe hat unlängst die schlimmsten Unruhen seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1980 erlebt. Dennoch werden viele Schönredner die Regierung von Präsident Robert Mugabe in Schutz nehmen und die strengen Reformauflagen der Weltbank für die ökonomische Misere verantwortlich machen.

Meiner Einschätzung nach aber hat die Krise nur eine Ursache: Mugabes stümperhafte und archaische Wirtschaftspolitik. Es besteht kein Zweifel daran, daß seine staatlichen Interventionen - ich sollte besser von Störungen reden - die Rückschritte der Wirtschaft beschleunigt haben. Verblüffend ist eigentlich nur, wie lange die Simbabwer gebraucht haben, um zu sagen: "Uns reicht's!"

Nichts illustriert das Ausmaß der Korruption in jenem Lande besser als die Übernahme von Farmen, die früher im Besitz von Weißen waren und auf die Masse der armen, landlosen Schwarzen verteilt werden sollten. Viele der bereits eingezogenen Güter gehören heute Mitgliedern in Mugabes Kabinett und ein paar Auserwählten im Privatsektor, die seiner Partei ergeben sind. Das ist nackte Korruption, die man schwerlich rechtfertigen kann. Niemand in der Ministerriege prangert diese Praktiken an, offenbar aus Furcht, die Gunst des Präsidenten und die Pfründen, die ihre Position garantieren, zu verlieren.

Anstatt den inneren Notstand auszurufen, sollte Präsident Mugabe die unsinnige Wirtschaftspolitik abschaffen und durch Maßnahmen ersetzen, die dem Wohle der gesamten Bevölkerung und nicht nur ein paar Privilegierten dienen.

Er sollte erkennen, daß ökonomische Probleme nicht mit militärischen, sondern nur mit ökonomischen Mitteln zu lösen sind.