Aus sind die Zeiten, in denen vornehmlich ideologisch motivierte Konsumenten zur Biokost griffen. Im Winter nur Lagergemüse naschen und morgens Getreidekaffee schlürfen mochte die Mehrheit nicht. Eine wachsende Anzahl von Verbrauchern erwarte "bei Ökowaren ein ebenso breites Angebot wie bei konventionellen", sagt Ulrich Hamm, Professor an der Fachhochschule Neubrandenburg, der seit vielen Jahren den Biomarkt untersucht.

Auf die Wünsche der Kundschaft haben die Anbieter längst reagiert. Ihr regelmäßiges Treffen, die Biofach in Frankfurt, hat sich zur weltgrößten Drehscheibe für umweltgerechte Konsumgüter entwickelt: Mehr als 1300 Aussteller aus über 55 Ländern erwarten die Veranstalter Ende Februar in der Main-Metropole. Von Naturkost über Naturkosmetik bis hin zu modischen Naturtextilien reicht die Palette. Doch nicht nur das Ökosortiment wächst auch die Branche selbst wird bunter: Kamen anfangs vorwiegend Einkäufer aus der Ökoszene auf die Biofach, so gaben sich in den vergangenen drei Jahren auch die Vertreter konventioneller Handelshäuser wie Karstadt, Metro, Rewe oder die Schweizer Coop ein Stelldichein.

Der Grund für das wachsende Interesse: Während der konventionelle Lebensmittelmarkt stagniert, wächst die Ökobranche kräftig: Nach Recherchen von Ulrich Hamm stiegen die Umsätze im Naturkosthandel 1997 um rund neun Prozent im allgemeinen Lebensmittelhandel erzielten Ökowaren ein Umsatzplus von mehr als zwanzig Prozent. Große Handelsketten mit eigenen Ökolinien legten sogar oft noch mehr zu: So konnte der Lebensmittelriese Rewe mit seiner Ökolinie Füllhorn im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von sechzig Prozent erzielen - auch deshalb, weil das Angebot um neue Produkte erweitert wurde.

Der Naturkostfachhandel, der zur Zeit gut ein Viertel des gesamten Umsatzes an Biolebensmitteln von vier Milliarden Mark innehat, sieht in dem Engagement der Handelsketten indes keine Bedrohung. "Wenn die Supermärkte ihre Ökoprodukte stärker bewerben, nützt das auch uns", erklärt Ute Witzik von den Bundesverbänden Naturkost Naturwaren (BNN). Denn sie werben damit "für Ökoqualität insgesamt".

Größere Probleme bereitet den hiesigen Erzeugern von Ökoprodukten die internationale Konkurrenz. Tatsächlich befindet sich der Ökoanbau nicht nur in den europäischen Nachbarländern und in den Vereinigten Staaten, sondern auch in vielen Entwicklungsländern im Aufwind. Beim Import von Kaffee, der Nummer eins im internationalen Biohandel, bei Kakao oder bei tropischen Früchten gibt es zwar keine Probleme. Aber der Import von Biomilch oder Biogetreide bedroht hiesige Erzeuger. "Es bestehen existentielle Ängste", räumt Manon Haccius, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (AGÖL), ein.

Um sich gegen die neue Billigkonkurrenz zu schützen, unterstreichen die Ökoanbauverbände eine altbekannte Forderung: Nahrungsmittel aus der Region zu bevorzugen. Als erster ist unlängst der baden-württembergische Landesverband von Bioland eine regionale Kooperation mit einer Handelskette eingegangen.

Seit Anfang Februar können schwäbische und badische Verbraucher in Kriegbaum-Märkten 150 Ökoprodukte aus vorwiegend regionaler Erzeugung einkaufen.