die zeit: Was wünschen Sie der Kultusministerkonferenz zum 50.

Geburtstag?

Jürgen Möllemann: Vor allem, daß die KMK sich schneller bewegt als eine griechische Landschildkröte und sich endlich einer zeitgemäßen Arbeitsweise nähert. Die KMK ist immer schwerfälliger geworden, weil sie mit der kulturpolitischen Zusammenführung der neuen und alten Bundesländer völlig überfordert ist. Der Kulturföderalismus, der aus Angst vor Machtmißbrauch entstand, hat sich als Hemmschuh erwiesen. In einer Zeit, in der Bildung und Wissenschaft Schlüsselbereiche sind, brauchen wir mehr Flexibilität und eine stärkere Bundeskompetenz.

zeit: Sie sind als Bundesminister für Bildung mit den Länderministern aneinandergeraten.

Möllemann: Stimmt, gleich nach meiner Vereidigung 1987. Da tagte die KMK in Saarbrücken, und ich wollte von meiner ersten Kabinettssitzung in Bonn sofort dorthin. Das ging nur mit dem Helikopter, sonst hätte ich mich verspätet. Als ich neben dem Schloß landete, in dem die KMK tagen wollte, kamen die Minister mit dem Bus an. Die haben sich gedacht: Da kommt dieser junge Schnösel, der sowieso nichts zu sagen hat, sondern nur Geld abliefern soll, mit dem Hubschrauber! Während der Tagung habe ich den zweiten Fehler gemacht. Nachdem der damalige nordrhein-westfälische Kultusminister, Hans Schwier, mich freundlich begrüßt hatte, meldete ich mich zu Wort: Ich wollte meine programmatischen Ideen vorstellen. Doch Schwier hat mich nur angeguckt wie ein Auto und gesagt: "Herr Kollege, Sie sind hier Gast. Wir sind nicht dazu da, Ihr Programm zu hören." Später habe ich doch mein Programm vorgetragen.

Die Minister waren fassungslos.

zeit: Haben Sie jemals versucht, Hochschulpolitik ohne die Länder zu machen?