Ein Politiker wird die diesjährige Karnevalssession in goldener Erinnerung behalten: Hans Daniels (CDU), ehemaliger Oberbürgermeister der ehemaligen Hauptstadt und im Zivilberuf Notar. Just auf dem Höhepunkt des Narrenfestes einigte sich die CDU mit der Telekom über den Verkauf der Bonner Parteizentrale für 17 Millionen Mark. Als Notar wurde Daniels gewählt, für den eine Provision von 170 000 Mark herausspringt. Auf die Frage, ob der Ex-OB seine Partei als Dank für den lukrativen Auftrag mit einer Spende bedenke, meint Parteisprecher Rolf Kiefer mehrdeutig: "Ich denke, daß er Geld verdienen muß." Daniels selber war - karnevalsbedingt - nicht für eine Auskunft erreichbar.

Listig

Der Bonner Karnevalszug führte einen Prunkwagen mit, auf dem Theo Waigel bettelt: "Haste mal 'ne Mark?" Den Jecken war wohl nicht klar, wie schnell der Witz Wirklichkeit werden könnte. Wenn sie Pech haben, hält Theo tatsächlich den Hut auf, denn auf allen Wagen prangten formatfüllende Hinweise auf den Sponsor. Stuft der Fiskus das als Werbung ein, müssen die Oganisatoren auf die Finanzhilfen für ihren "Zoch" noch Körperschaftsteuer bezahlen. Finanzbeamte haben zwar soeben einen umstrittenen Erlaß über die steuerliche Behandlung von Sponsorengeldern entschärft (ZEIT Nr. 7/98).

Gemeinnützige Körperschaften müssen demnach auch dann keine Steuer entrichten, wenn sie "dem Sponsor für seine Leistung öffentlich danken", allerdings "ohne besondere Hervorhebung". Sobald das geschehe, stelle das eine aktive Werbemaßnahme dar, womit es sich für den Fiskus um einen steuerpflichtigen Geschäftsbetrieb handelt, auch wenn der Empfänger eine gemeinnützige Körperschaft ist. Angesichts der immer noch schwierigen Abgrenzung, wo der Dank endet und die Hervorhebung beginnt, fordert der SPD-Finanzexperte Joachim Poß, daß der Finanzausschuß des Bundestages sich mit dem Erlaß befaßt, "damit den Anliegen der Kulturorganisationen auch wirklich Rechnung getragen wird". Also: Theo, nimm die Hand vom Zoch.

Fröhlich

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen, in diesem Jahr läßt die Dynamik des rheinischen Karnevals die Bonner Politik nicht in ihren verschnarchten Reformstau zurücksinken. Mit dem phänomenalen Erfolg des Saisonhits "Die Karawane zieht weiter, dä Sultan hät Doosch" haben die Jecken bewiesen: das Wahlvolk will Bewegung, nicht Stillstand. Mit feinem Gespür für die Stimmungslage hängt sich das Bundespresseamt unter Regierungssprecher Peter Hausmann schon an die Karawane an. Es zetert nicht mehr über Vollkaskomentalität und Besitzstandwahrung, sondern feiert in seinem "Journal für Deutschland" die Vorwärtsbewegung: "Wirtschaft, Forschung, High-Tech: Deutschland hat weltweit die Nase vorn! - Neue Länder: Super! In 7 Jahren auf Spitzenniveau" heißt es auf dem Cover, auf dem ein leckerer Cocktail in Camparirot prangt - dä Sultan hät Doosch.