Die rote Revolution von 1917 ist älter als die braune Revolution von 1933. War darum auch der Archipel Gulag ursprünglicher als Auschwitz, wurde der Klassenmord der Bolschewiki zum Vorbild für die Rassenmorde der Nazis?

Diese Fragen des deutschen Historikers Ernst Nolte eröffneten 1986 den Historikerstreit, der auch in der ZEIT geführt wurde. In der Folge erregte Nolte etwa mit seiner Sympathie für den frühen Mussolini allenthalben Widerspruch und Widerwillen. Ernst Nolte wurde hierzulande zum Außenseiter, ja zur Persona non grata der zeitgeschichtlichen Debatte.

Groß war darum die Überraschung, als der liberale Historiker François Furet 1995 in seinem Bestseller "Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20.

Jahrhundert" den Dialog mit Nolte aufnahm, wenngleich vorerst in einer langen Fußnote. Auch für den Franzosen stehen Kommunismus und Faschismus in engem verwandtschaftlichen Verhältnis, teilen beide Ideologien eine mörderische Verachtung für Demokratie und Bürgertum und werden zu den schrecklichen Zwillingen des 20. Jahrhunderts. Kurz vor seinem Tode 1997 tauschten sich Ernst Nolte und François Furet in vier Briefen über das totalitäre Zeitalter aus. Die Publizistin und Politikwissenschaftlerin Antonia Grunenberg untersucht diese Korrespondenz hier erstmals für eine deutsche Leserschaft.

In seinem letzten großen Buch, das die magische Anziehungskraft und zerstörerische Wirkung des Kommunismus untersucht, widmete François Furet 1995 seinem deutschen Kollegen Ernst Nolte eine ungewöhnlich lange Fußnote.

Er stimme mit Nolte darin überein, schrieb Furet, daß man die beiden großen Herrschaftssysteme dieses Jahrhunderts in ihrer "Komplementarität-Rivalität" und auch in ihrer chronologischen Beziehung zueinander untersuchen müsse, wenn man sie verstehen wolle. Bedauerlicherweise, so der französische Historiker, schwäche Nolte seine These, indem er die Juden zu organisierten Gegnern Hitlers stilisiere.

Diese Fußnote brachte Furet in Deutschland böse Kritiken ein, denn Ernst Nolte war seit dem Historikerstreit 1986/87 und nach seinem Spiegel-Interview von 1994 in der deutschen Öffentlichkeit als Rechtsaußen der Historikerschaft stigmatisiert.