Heinrich Heine ist der einzige anerkannte Autor des 19. Jahrhunderts, bei dem es eine äußerst differenzierte Metaphorik des Essens und Trinkens gibt: als Aufwertung der Sinnlichkeit, als Entlarvung politischer Zustände, als Beweis höchster Artistik, so auch für Gourmets, auch als Forderung, daß alle satt zu essen haben sollen. Und dann das selbstgefällige Gerede von Siebeck.

Dem Buch aus dem Grupello Verlag - und ich spreche nur für dieses Buch, da ich hierfür das Vorwort geschrieben habe - liegt eine ausgezeichnete Magisterarbeit zugrunde, die gerade zur Doktorarbeit ausgebaut wird. Die Rezepte sind literarisch intendiert, sollen aber gleichzeitig verdeutlichen, daß das, was Heine über das Kochen geschrieben hat, tatsächlich umsetzbar ist, also kein "Heine-Ragout von beispielloser Beliebigkeit". Hier liegt die außerordentliche Mühe von Herrn Scherrer, der auch seinen Salon im vorigen Jahr nach Heinrich Heine benannt hat und der mehrmals vor erlesenen Gästen, darunter auch Studenten der Heinrich-Heine-Universität, Menüs nach Heine dargeboten hat.

Prof. Dr. Wilhelm Gössmann Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf