Wenn Frankreichs Linksregierung Staatsunternehmen an die Börse bringt, wird zumindest der französische Wortschatz reicher. So nennt der kommunistische Transportminister Jean-Claude Gayssot die jetzt beschlossene Teilprivatisierung der Fluggesellschaft Air France "ein Atemholen des Kapitals", die Privatisierungskommission wurde in "Bewertungskommission für Beteiligungen und Übertragungen" umgetauft. Derlei Wortakrobatik ist nötig, weil die streikfreudigen Gewerkschaften Privatisierungsversuche immer wieder vereitelten. Nur mit Fingerspitzengefühl läßt sich deshalb der Plan des Air-France-Chefs Jean-Cyril Spinetta umsetzen, den Staatsanteil auf künftig 53 Prozent zu senken. Widerstand ist bereits programmiert. Vor allem die im Weltvergleich überbezahlten Piloten lehnen den Vorschlag ab, gegen ein Aktienpaket künftig auf fünfzehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten.

Spinetta hofft trotzdem auf bessere Zeiten des Carriers, der 1993 nur dank einer staatlichen Kapitalspritze von sechs Milliarden Mark der Pleite entkam.