Man kann nur staunen: wieder keine Entscheidung! Der Präsident der bedeutenden Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Werner Knopp, ist vor kurzem in den Ruhestand getreten, ohne daß zuvor ein Nachfolger gewählt worden wäre.

Nicht, daß es an Anwärtern fehlte, es fehlte nur an der Entscheidung, welcher es werden soll: Christoph Stölzl, Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, oder Claus-Dieter Lehmann, Direktor der Deutschen Bibliothek.

Formell muß der Stiftungsrat entscheiden, der sich aus Vertretern des Bundes und der sechzehn Bundesländer zusammensetzt. Seit Dezember 1997 sind alle Versuche gescheitert, einen Präsidenten für diese große Institution mit 2400 Mitarbeitern zu wählen, weil der Bund für Stölzl ist, die Länder aber für Lehmann. Ein Dissens, der mittlerweile zu einem parteipolitischen Konflikt geworden ist. Am 10. März ist wieder eine Sitzung, die vermutlich wieder keine Lösung bringt. Darum muß dieses Patt gebrochen und ein neuer Kandidat vorgeschlagen werden, der für alle Parteien konsensfähig ist. Es gibt einen für dieses Amt geradezu prädestinierten Prätendenten. Zuvor aber ein paar Worte zur Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Als der letzte deutsche Kaiser 1918 abdankte, begann die Auseinandersetzung darüber, was Hohenzollernscher Privatbesitz und was staatliches Vermögen sei.

Den Hohenzollern wurden unter anderen die Stadtschlösser in Berlin, Potsdam und Charlottenburg nebst Inhalt zugesprochen. Nachdem der Alliierte Kontrollrat 1947 Preußen per Gesetz aufgelöst hatte, wurde die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegründet, um die im Krieg verstreuten Kunstwerke wieder zu vereinen. Ihr unterstehen siebzehn einzelne Museen sowie die größte wissenschaftliche Bibliothek Deutschlands.

Wer an Preußen denkt, denkt nicht zuerst an Kunst, und doch haben die Berliner Sammlungen Weltgeltung. Die Kunstsammlungen sowie die berühmte Bibliothek und die Archive wurden um 1661 vom Großen Kurfürsten angelegt, im 18. Jahrhundert systematisch erweitert und im 19. Jahrhundert mit dem glanzvollen Ensemble von Museen auf der Museumsinsel zusammengefügt.

Und nun zu der Frage: Wer könnte Nachfolger von Knopp werden? Vorschlag: Der von vielen favorisierte Thomas Gaehtgens, Professor an der FU, der heute Vorsitzender des Freundeskreises der Preußischen Schlösser und Gärten ist.