Wahljahre sind traditionell die Jahre der Wohltaten - zumindest der in Aussicht gestellten. Das gilt auch für den jüngsten Plan der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Danach soll noch in dieser Legislaturperiode die staatliche Förderung von Arbeitnehmerbeteiligungen an Produktivkapital - dem sogenannten Investivlohn - Gestalt annehmen. Von der Gesetzesreife ist das Vorhaben freilich noch weit entfernt, dennoch ist Wolfgang Vogt, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe in der CDU/CSU-Fraktion, überzeugt: "Da wird jetzt was passieren."

Statt Optimismus im Wahljahr zu verbreiten, wäre der Arbeitnehmervertreter gut beraten, seine Klientel überhaupt zum Sparen zu überreden. Unkenntnis, Bequemlichkeit oder Sparsamkeit am falschen Platze hält nämlich viele Arbeitnehmer davon ab, die bereits vorhandenen Chancen zur Vermögensbildung zu nutzen. Allein von den Arbeitern und Angestellten unter dreißig Jahren, so eine Untersuchung des Bundesarbeitsministeriums, verzichtet jeder dritte darauf, die zusätzlich zum Lohn oder Gehalt gezahlten vermögenswirksamen Leistungen (VL) in Anspruch zu nehmen.

Verzichten heißt Geld verschenken. Immerhin haben mehr als 95 Prozent der tarifvertraglich Beschäftigten in den alten und rund 65 Prozent in den neuen Bundesländern Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Wie hoch der Zuschuß vom Arbeitgeber ist, regelt der jeweilige Tarifvertrag oder eine gesonderte Betriebsvereinbarung. Dreizehn Mark pro Monat sind fast immer drin, oft sogar mehr.

Dieses Geld erhält der Arbeitnehmer nicht bar ausgezahlt. Er muß einen Sparvertrag abschließen und die vermögenswirksamen Leistungen bei seinem Arbeitgeber beantragen. Der ist dann verpflichtet, die Beträge, nachdem Fiskus und Sozialversicherung ihren Teil davon abbekommen haben, direkt auf den Sparvertrag zu überweisen. So ist es im Vermögensbildungsgesetz geregelt.

Dort steht auch, welche Sparformen für die Anlage überhaupt in Frage kommen: unter anderem Bausparverträge, Banksparpläne, Lebensversicherungen und Aktienfonds genauso wie Belegschaftsaktien oder Darlehen an den eigenen Arbeitgeber.

Angesichts dieses Förderkatalogs fragt man sich, warum es eines gesonderten Investivlohns überhaupt noch bedarf. In der Praxis sind Sparvarianten mit Beteiligungscharakter nämlich ohne Bedeutung. Deutschlands Sparer erweisen sich auch bei der Anlage der VL als Sicherheitsfanatiker: Fast ein Drittel entscheidet sich für einen soliden, aber wenig rentablen Sparvertrag bei einer Bank. Mehr als fünfeinhalb Prozent Rendite sind damit selbst bei Topangeboten nicht zu holen, wie das Magazin Finanztest im Auftrag der Stiftung Warentest festgestellt hat.

Gefragt sind neben Bankangeboten vor allem Kapitallebensversicherungen.