Also, und damit das gleich gesagt ist, auch solche Sätze stehen in diesem Buch: "Seine Frau war eine einsame Stute auf der Weide." Oder: "Ihre Augen sind geschlossen sie ist gefangen wie ein wunderbares wildes Tier." Oder: "Eine der letzten großen Erkenntnisse ist, daß das Leben nicht so sein wird, wie man es sich erträumt hat." Das gefällt Ihnen nicht, oder? Natürlich nicht, und wenn Richard Ford laut Buchumschlag zehnmal gesagt hat: "Satz für Satz ist Salter der Meister."

Satz für Satz? Sicher nicht. Aber wunderlicherweise Absatz für Absatz, Kapitel für Kapitel, Stunde für Stunde, solange man es liest. Ein Buch wie ein Film, und zwar einer von denen, wo einem der Hintereingang, durch den man sich aus dem Kino schleicht, wieder einmal besonders schäbig vorkommt. Ganz so schlimm ist es ja Gott sei Dank meist nicht, wenn man ein Buch zuklappt.

Oder doch? Man schaut auf die eigenen vier Wände.

Bleiben wir aber noch einen Moment im Kino. Haben Sie zum Beispiel den Film "Brassed Off" gesehen? Und hatten Sie vorher Kritiken darüber gelesen? Und hat Ihnen von diesen schwer begeisterten Kritiken auch nur eine einzige gesagt, daß Sie in diesem Film garantiert heulen werden? Eben. Tut man nicht.

Ist schließlich kein ernstzunehmendes Kriterium, und wenn schon, dann nur auf kleine Mädchen bezogen und also verheerend. Ich hab' geheult (oder was wir Männer davon halt noch so hinkriegen). Und hab's genossen, das Heulen und also den Film.

Und also? Schon meldet sich das schlechte Gewissen. Und wie immer werden wir ihm recht geben, auch dieses Mal. Aber weil wir, gerade gefragt, was denn drinsteht in diesem Buch, am liebsten anfangen würden, es vorzulesen, und zwar ganz, sagen wir vorher ganz schnell noch: Wenn Sie ihn nicht gesehen haben, schauen Sie sich "Brassed Off" an.

Also, es geht um eine Familie mit zwei Mädchen, das Haus steht am Hudson nahe New York, es gibt ein Sommerhaus, viele Freunde, immer was zu trinken und eigentlich keine Sorgen. Und irgendwann - aber ab wann bloß? - hält das alles nicht mehr zusammen, fällt auseinander, das Alter wird so lange gefürchtet, bis es da ist, bis der erste stirbt, dann noch einer, noch einer. Es geht also ums Leben.