Wollen der Medienkonzern Bertelsmann und der Münchner Filmhändler Leo Kirch den deutschen Fernsehmarkt monopolisieren? Ein Vorstandspapier aus der Gütersloher Konzernzentrale, aus dem der Spiegel in dieser Woche zitiert, scheint diesen Verdacht zu belegen. Tatsache ist jedenfalls, daß die beiden Mediengiganten mit ihren Senderfamilien schon jetzt den werbefinanzierten TV-Markt hierzulande beherrschen. Geht es nach ihren Plänen, dann werden sie gemeinsam das Zukunftsfernsehen, das digitale Fernsehen, in Deutschland einführen und auf absehbare Zeit wohl auch dominieren. Bertelsmann bestreitet solche Monopolpläne energisch. Sie erscheinen auch gar nicht sinnvoll.

Zufall ist es dennoch nicht, daß ausgerechnet jetzt diese internen Papiere, die immerhin vom vergangenen Sommer stammen, das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Nach jahrelangem, erbittertem Streit um die Einführung des digitalen Fernsehens hatten sich Bertelsmann und Kirch im Sommer 1997 geeinigt, über den gemeinsam betriebenen Pay TV-Sender Premiere das Digital-TV einzuführen. Der bereits im Sommer 1996 von Kirch im Alleingang und mit spärlichem Erfolg gestartete Digitalsender DF 1 soll mit Premiere verschmolzen werden. Ende 1997 wurde dieses Bündnis schließlich bei der Wettbewerbskommission in Brüssel angemeldet. Seither schwebt ein Kartellverfahren über dem Vorhaben - mit ungewissem Ausgang. Daß die Veröffentlichung vermeintlicher oder tatsächlicher Monopolpläne die europäischen Wettbewerbshüter nun nicht geneigter stimmt, steht außer Frage.

Doch sich von Stimmungen leiten zu lassen, hat der überaus konsequente Wettbewerbskommissar Karel van Miert gar nicht nötig. Die Konstellation am deutschen Fernsehmarkt ist ihm vertraut. Neben den gerade wieder erstarkenden öffentlich-rechtlichen Sendern von ARD und ZDF ist es - den deutschen Mediengesetzen sei Dank - vor allem den großen Medienkonzernen Bertelsmann und Kirch gelungen, ihre werbefinanzierten Sender zu etablieren. Kleinere Medienunternehmen oder gar Außenseiter haben an dem Markt, an dem inzwischen mehr als dreißig frei empfangbare Sender um Zuschauer und Werbegelder rangeln, kaum noch eine Chance.

Kein Wunder, daß bisher nur zwei Programmanbieter schwarze Zahlen schreiben: der Bertelsmann-Sender RTL und ProSieben, der Kirch-Sohn Thomas gehört.

Angesichts der international einzigartigen Vielzahl von Programmen konnte sich bisher auch nur ein einziger Pay TV-Sender durchsetzen - mit bescheidenem Erfolg. Um die Abonnentenzahl von etwas über 1,6 Millionen zu erreichen, benötigte der Hamburger Sender Premiere immerhin sieben Jahre.

Um wieviel schwerer muß sich da das digitale Angebot tun, das nicht nur gegen die große Zahl von TV-Sendern antreten, sondern auch die Gewohnheiten der Zuschauer durchbrechen muß. Den Kunden muß zusätzliches Geld aus der Tasche gelockt werden: nicht nur für den Decoder, ohne den die digitalen Signale gar nicht auf den heimischen Bildschirm gelangen, sondern auch fürs Programm, denn hierzulande heißt Digital-TV vor allem erst einmal Pay-TV.

Angesichts der jahrelangen Durststrecke, bis die Gewinnschwelle erreicht wird, und angesichts der gewaltigen Investitionen in attraktive Programme, ohne die die Masse der Zuschauer kaum ins Bezahlfernsehen gelockt werden kann, können vermutlich ausschließlich Giganten wie Bertelsmann und Kirch gemeinsam so ein Zukunftsprojekt stemmen. Unbehagen stellt sich jedoch ein, wenn es ausgerechnet dieselben Medienunternehmen sind, die den Markt für werbefinanziertes Fernsehen beherrschen, nahezu den kompletten Rechtemarkt von Spielfilmen bis zum Topsport dominieren, über wichtige Beteiligungen am Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt verfügen und schließlich auch noch mit dem Decoder d-box die Digitaltechnik in Händen halten. Damit können sie Türwächter für alle anderen Digitalangebote von ARD über das ZDF bis zu unabhängigen Programmanbietern spielen. Eine Machtzusammenballung ohnegleichen. Sie fordert die Kartellkontrolle geradezu heraus.