Das ganze Leben besteht aus Warteschlangen", sagt Werner Brilon. Der Ingenieur von der Universität Bochum hält Vorlesungen über ein bewegendes Thema: Warten. Dabei geht es dem Fachmann allerdings nicht um Menschen, die Schlange stehen. Sondern er interessiert sich dafür, wie Arbeitsabläufe in Computern und Fabriken ohne sinnlose Warterei gestaltet werden können.

Die Mathematik der Warteschlangen begründete Agner Krarup Erlang bereits vor neunzig Jahren. Der Däne wollte Staus bei der automatischen Verteilung von Telephonleitungen verhindern. Mathematisch gesehen unterscheidet sich dieses Problem nicht von dem des weltweiten Wartens (www) im Internet - oder jenem im Supermarkt.

Natürlich erwischt man mit seinem Einkaufswagen mit schöner Regelmäßigkeit die falsche Schlange, so scheint es zumindest. Keinen Millimeter geht es voran. An den Kassen nebenan hingegen werden die grinsenden Kunden im Eiltempo abgefertigt. Doch der mathematisch Gebildete darf sich eigentlich nicht aufregen. Denn auch ohne Murphys Law, nach dem bekanntlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann, beträgt die Wahrscheinlichkeit, daß eine der beiden Warteschlangen neben einem schneller ist als die eigene, zwei Drittel. Verfolgt man das Schicksal einer weiteren Schlange noch mit, hat man sogar in vier von fünf Fällen nicht die günstigste gewählt.

Einziger Trost: Während man wartet, lassen sich allerlei Gedankenspielchen anstellen. Wäre es besser, nur eine Schlange zu haben? An deren Kopf stünde dann immer nur einer, der zu der gerade freigewordenen Kasse eilte.

Vordrängler würden durch Seile oder Bänder an der Seite gestoppt. Dann ginge es gerecht zu, und niemand bräuchte sich mehr darüber zu ärgern, in der falschen Schlange zu stehen.

In der Tat feiert dieses Wartesystem in den Vereinigten Staaten Erfolge.

Einer Untersuchung in amerikanischen Schnellrestaurants zufolge waren die Gäste von Wendy's zufriedener als jene von McDonald's und Burger King. Denn anders als die beiden anderen setzte Wendy's auf die Sammelschlange. Alle sind vor dem Tresen gleich wer zuerst kommt, mahlt zuerst.