Überfällig war der Dreiergipfel mit Jacques Chirac, Helmut Kohl und Aleksander Kwaniewski im westpolnischen Posen schon. Dieses Treffen könnte dem "Weimarer Dreieck" endlich Leben geben. Als 1991 in Weimar - kurz nach dem Putsch in Moskau - die Außenminister der drei Länder französischdeutsch-polnische Konsultationen ins Leben riefen, hatten sie dreierlei im Blick: Polen sollte sich dem Westen annähern in der Mitte Europas könnte durch eine "freundliche Umarmung" Deutschlands eine Zone der Stabilität geschaffen werden und schließlich gilt es, Frankreich über die Rolle einer "Anstandsdame" hinaus in die Okzidentalisierung Ostmitteleuropas einzubinden.

Die Idee war gut, doch der Ertrag blieb zunächst bescheiden. Zwar hat das Weimarer Dreieck bei Polens östlichen Nachbarn bald Furore gemacht, zumal die "Weimarer" 1996 beschlossen, ihre Außenpolitik gegenüber der Ukraine und den baltischen Staaten zu koordinieren und diese Länder von Fall zu Fall mit einzubeziehen. Doch ins Bewußtsein der Westeuropäer hat sich dieses Dreieck kaum eingeprägt.

Den Deutschen liegt am Weimarer Dreieck, weil ihre wirtschaftliche Verflechtung mit Polen inzwischen nach politischer Absicherung verlangt. Wenn 35 Prozent des polnischen Außenhandels mit Deutschland abgewickelt werden - in den polnischen Westgebieten sind es sogar schon über 50 Prozent -, dann sind politische Strukturen für eine engere Zusammenarbeit nötig. Der Diplomat folgt dem Kaufmann.

Und die Franzosen? Sie sind geographisch am weitesten vom Schwerpunkt des Weimarer Dreiecks entfernt und gerade deswegen darauf erpicht, nicht an den Rand gedrängt zu werden. Keine französische Regierung kann ein Interesse daran haben, die Deutschen mit den Polen allein zu lassen. Auch wenn das Mittelmeer für die Franzosen immer wichtiger bleiben wird als die Ostsee, werden sie doch Wert auf angemessene Präsenz im östlichen Mitteleuropa legen.

Die französische Politik denkt dabei weiter als die deutsche und polnische über den europäischen Rahmen hinaus. Sie hat den Platz Frankreichs im UN-Sicherheitsrat im Auge und beachtet das globale Kräftespiel nicht zuletzt mit Blick auf die Vereinigten Staaten. Dadurch gewinnt eine Mächtekonstellation an Bedeutung, die einer weiteren, wenn auch schwächeren Großmacht Gewicht verleiht, dem Sicherheitsratsmitglied Rußland.

Hier liegt das Motiv für Frankreichs wachsendes Interesse an der einzigen osteuropäischen Großmacht. Diese kann - in Grenzen - ein Gegengewicht zu den USA bilden und damit auch Frankreich im globalen Mächtespiel aufwerten. Nur mit Moskau zusammen kann Paris den Amerikanern etwas Paroli bieten - Beispiel Irak.

Warum dann aber ein neues Dreieck, und noch dazu eines mit Deutschland, das keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat hat? Die Antwort, die ein Franzose auf der Straße geben würde, ist ganz einfach: Weil seit der Wiedervereinigung nichts mehr ohne Deutschland geht. Vor allem im Verhältnis zu Amerika ist jede europäische Politik ohne die Bundesrepublik ohne Inhalt.