Zwei Geburtstagsfeiern, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die American Association for the Advancement of Science (AAAS) brennt zu ihrem 150. Jahrestag ein Feuerwerk der Forschung ab, in dessen Glanze sich auch Präsident Bill Clinton gerne zeigt. Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft (MPG) dagegen zieht sich an ihrem 50. Geburtstag zu einer gediegenen Festveranstaltung nach Göttingen zurück, und ihr Präsident Hubert Markl beklagt wieder einmal die mangelnde Unterstützung für die deutsche Forschung (siehe auch Seite 36 und 37).

Die amerikanischen Forscher haben allen Grund zu feiern. Macht ihnen doch Bill Clinton ein üppiges Geschenk: Um 5,8 Prozent soll das Budget der zivilen Forschung wachsen, die wichtigsten wissenschaftlichen Einrichtungen der USA sollen sogar noch mehr profitieren: Die Nationalen Gesundheitsinstitute NIH bekommen 8,5 Prozent, die National Science Foundation 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ganz anders in Deutschland: Statt der MPG zu ihrem 50. etwas mitzubringen, griff Bundesminister Jürgen Rüttgers ihr in die Tasche und strich im Dezember vergangenen Jahres einen lange vereinbarten Etatzuwachs von 5 Prozent auf 3,9 Prozent zusammen. Folgerichtig bleibt Helmut Kohl dem Festakt in Göttingen fern; statt dessen kommt Gerhard Schröder.

Doch die Mängel der deutschen Forschungspolitik sind nicht allein den Politikern anzulasten. Auch ohne zusätzliche Mittel ließe sich im deutschen Wissenschaftsbetrieb einiges verbessern. Viele Forschungsinstitutionen haben es versäumt, strukturelle Hemmnisse abzubauen - etwa die Herrlichkeit der Altvordern in vielen Disziplinen. Statt dem Nachwuchs bessere Chancen zu bieten, wachen sie eifersüchtig über ihre Pfründen. Und anstatt sich auf den Wettbewerb der Besten zu besinnen, verlegen sich etliche Forscher lieber aufs Wehklagen.

Selbst dort, wo deutsche Forschung allen Hemmnissen zum Trotz weltweit führt, findet sie allzuoft im verborgenen statt: Die amerikanischen Wissenschaftler zelebrierten die Mars-Expedition als großes Medienereignis, die MPG dagegen vernachlässigte sträflich, die Beteiligung ihrer Institute ins öffentliche Bewußtsein zu rücken.

Man muß sich ja nicht gleich das aggressive Marketing der USA zu eigen machen. Doch aus Clintons Auftritt können deutsche Forscher eines lernen: Erst wenn die Forscher ihre Arbeit attraktiv darstellen, werden Politiker sie auch gerne zu ihrer Sache machen.