Seit einiger Zeit zerbricht sich die DV-Industrie den Kopf, wie die Wartungskosten für Personalcomputer gedämpft werden können. Denn auch wenn die Rechnerpreise ins Bodenlose fallen, so bleiben doch die Gesamtkosten stabil. Bis zu 7000 Mark pro Jahr und Arbeitsplatz zahlen die Unternehmen angeblich für die PC-Wartung. Um diese Kosten zu senken, entwickeln die großen Softwarefirmen Programme, deren Namen jeden Systemadministrator zum Träumen bringen können: Da gibt es die Zero Administration Initiative von Microsoft, deren Kosten alles andere als zero sind. Oder schöner noch Illusion 97, ein Programm, dessen Name Programm ist. In Konkurrenz zu diesen Ansätzen stellt sich nun der Netzwerkanbieter Novell mit seinem Programm Z.E.N.works.

Mit einem Bonsai-Bäumchen im Logo verspricht Z.E.N.works eine reibungslose Welt der Zero Effort Networks. Sinnsprüche von Laotse garnieren das Werk, das den Anwender "von der ganzen Bürde des Desktops" befreien soll. Im Prinzip ist das Zen-Programm ein Netzwerkmanagement-System, das automatisch Programme, Dokumente, Drucker oder sonstige Geräte passend einrichtet, sobald sich ein Anwender in einem Netzwerk anmeldet. "Entschweben Sie mit Ihrer digitalen Persönlichkeit den Zwängen von Zeit und Raum", dichtet Novell. Das ist sogar wörtlich gemeint: Kernstück von Z.E.N.works ist die Digital Persona, unter der alles registriert ist, was der Anwender für seine Arbeit braucht. Außerdem gibt es die Möglichkeit, periodisch Bildschirmphotos seines Computers zu speichern. Angeblich soll damit lediglich überprüft werden, ob Softwarelizenzen eingehalten werden. Aber natürlich läßt sich so auch kontrollieren, was der Kollege so treibt. Nicht umsonst verkauft die Firma Silverstone ihr Snapshot-Programm zur "verantwortungsvollen Computernutzung" in Firmen auch für den Heimmarkt - als Kindersicherung.

Doch Zen ist nicht alles, die nächste Kostenbremse ist schon in Sicht. AoL (Alert on LAN) heißt sie, kommt aus den Labors von Intel und IBM und ist eine Kombination aus Chip und Software, die Alarm geben kann, wenn sich etwas am Rechner ändert. Ob die Tastatur entstöpselt oder eine Steckkarte entfernt wird, merkt das Programm sofort. Ein Kernstück von AoL ist die sogenannte Wakeup-Distribution: Der Chip kann den Rechner sogar in der Nacht starten, etwa um neue Software einzuspielen. Auch soll er überprüfen, ob der Computer korrekt ausgeschaltet oder gar in böser Absicht wieder eingeschaltet wurde. Nicht nur für Firmen kann das wichtig sein. In einer Werbeschrift wirbt der Hersteller damit, daß Eltern alarmiert werden können, wenn Kinder nachts ihren Rechner einschalten. Freilich müssen sie dafür selbst am Netz hängen. Fern von den Zwängen von Zeit und Raum ist da niemand mehr.