Katja Riemann: Wissen Sie, daß Ihre Bücher mein Denken verändert haben? Zuerst habe ich "Salz auf unserer Haut" gelesen, dann alle anderen. "Ödipus' Schwester" war für mich ein Meilenstein.

Benoite Groult: Viele Frauen haben mir das gleiche geschrieben: Mein Bewußtsein hat sich verändert, meine Ehe, meine Arbeit.

ZEITmagazin: Die Männer haben weniger positiv reagiert. Ein Rezensent bezeichnete Sie im Nouvel Observateur als "ungenügend gevögelt".

Riemann: Das behaupten die Männer, weil sie einfach nicht in ihre Köpfe kriegen, daß man auch als Feministin eine funktionierende Beziehung zu einem Mann und Spaß am Sex haben kann. Daß man sich schön machen und sich trotzdem für die Sache der Frauen einsetzen kann.

Groult: Die Männer fühlen sich bedroht. Jahrhundertelang waren sie die alleinigen Herrscher. Und jetzt beanspruchen auch wir unseren Platz. Wir dringen in die Politik vor, obwohl das hier in Frankreich nicht so oft geschieht wie in Deutschland. In unserem Parlament sitzen weniger als sechs Prozent Frauen, und das Wahlrecht für Frauen wurde erst 1949 eingeführt. Ich war dreiundzwanzig Jahre, arbeitete als Lehrerin und durfte immer noch nicht wählen! Ich fühlte mich nicht als vollwertige Bürgerin. Ich brauchte erst die Genehmigung meines Mannes, wenn ich ein Bankkonto eröffnen wollte.

Riemann: Genau das habe ich meiner Tochter Paula zu erklären versucht. Wir saßen zusammen auf der Couch, sie hörte sich den "Struwwelpeter" auf einer Kassette an ...

Groult: Ich habe dieses Buch als kleines Mädchen geliebt!