Bagdad

Die Drohung eines amerikanischen Militärschlages hätten "weder das Volk noch die Führung des Irak beeindruckt". Vizepremierminister Tarik Aziz jedenfalls hatte daran keinen Zweifel. Nur der gute Wille von UN-Generalsekretär Kofi Annan und seine Diplomatie hätten zum Erfolg geführt, nicht aber "das Säbelrasseln", erklärte der Iraker am Wochenbeginn in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem UN-Sekretär.

Kofi Annan konterte sehr höflich: "Wir feiern heute einen Sieg der Diplomatie, die unterstützt wurde durch die mögliche Anwendung von Gewalt."

Anderntags war Annan schon in New York, und Präsident Bill Clinton hatte den Kompromiß von Bagdad vorläufig akzeptiert. Und in Bagdad gehen zur selben Stunde die Vorbereitungen zur "Landesverteidigung" weiter. An der Universität Bagdad zum Beispiel durchlaufen Männer wie Frauen ein "Militärtraining". Auf einem Sportplatz haben sich mehrere Gruppen versammelt; Soldaten führen ihnen den Gebrauch einer Kalaschnikow vor. Ein Flakgeschütz steht auf der Wiese, daneben eine Panzerabwehrkanone.

"Wir können gegenwärtig nicht voraussehen, wie sich die Zukunft entwickelt", erklärt ein Offizier vor zwanzig Pädagogikstudenten. "Wir müssen bereit sein, unsere Häuser und unsere Heimat zu verteidigen. Unsere Waffen reichen nicht gegen die Übermacht der Aggressoren. Aber als irakisches Volk kämpfen wir mit unserem Gewehr, mit unserem Glauben und mit unserem Führer."

Die Studenten nehmen die Veranstaltung überwiegend humorvoll. Die Atmosphäre erinnert mehr an ein Sportfest als an ein Guerillalager.

Wo soll ich eigentlich hinschießen? fragt einer. "Auf den Gegner. Es ist wichtig, daß du ihn tötest, bevor er dich tötet", erläutert der Offizier. "Das Geheimnis eines Gewehres liegt in seiner Schnelligkeit."