Es war einmal in Bonn. Dort trafen sich im Kanzleramt, ein Jahr vor der Bundestagswahl, fünf Weise: der Kanzler, sein treuer Knappe Bohl, Medienmephisto Fritzenkötter und noch zwei Chargen. Man sprach über Wahlchancen 98 und die rechte Unterstützung durch den Springer-Verlag in Hamburg. Das Quintett war sich einig: Der Richter muß weg. Richter war Vorstandsvorsitzender bei Springer und hatte zuvor die Chefredakteure seines bis dahin regierungstreuen Hauses gebeten, sich während des Kampfes um Bonn nicht vor den Karren einer politischen Partei spannen zu lassen. Die fünf ahnten, welche Partei damit gemeint war, und fanden das gar nicht gut. Hatte die Springer-Presse doch bis dahin treu ein rechtes Bild der Welt verkündet. Und nun das. Was tun?

Da hatte der listige und lästige Springer-Gesellschafter der schönen Frau Friede in Hamburg eine Idee. Wenn Bonn ihm, dem Herrn K., auch fürderhin gewogen wäre, könne er helfen. Also geschah es.

K. reiste gen Norden und machte seiner 50-Prozent-Partnerin ein Angebot: Richter raus, Kirch-Freund rein und politisch sauber bleiben. Nur: Die gute Friede war mit ihrem Richter gar nicht so unzufrieden. Er hatte wie ein Rumpelstilzchen viel Gold und Geld in die Kasse des Verlags gesponnen. Der Preis für seine Preisgabe mußte also hoch sein. Da hatte K. wieder eine Idee. Sollte Friede ihm jetzt zu Willen sein, würde er, K., sich in zwei Jahren friedlich verhalten. Das heißt: Friede könne dann in ihrem Verlag ungestört schalten und walten und Männer ihres Vertrauens um sich scharen: im Verlag, im Rat, in den Redaktionen. Bis dahin aber habe der Herr K. das Sagen.

Und so geschah es. Richter ging, sein Nachfolger Fischer, ein Freund von K., kam. Lediglich ein Getreuer Friedes sollte als Stellvertreter versuchen, das Schlimmste in der Zeit des Herrn K. zu verhindern. Viele Medienposten im Haus waren nun zu vergeben. So war ein Zeitungsboß in Bonn in Ungnade gefallen, dafür sollte ein Freund der Regierung, von Richter einst entfernt, wieder in Gnade aufgenommen werden. Auch dies geschah. Für die Wahl 98 war man gerüstet.

K. konnte zufrieden sein. Und seine Freunde in Bonn auch. Aber K. war noch nicht zufrieden. Immer auf der Suche nach Geld, schaute er lüstern auf die prall gefüllte Kasse des gemeinsamen Unternehmens. 800 Millionen lagen da auf Halde. Und wieder hatte K. eine Idee. Beiden, K. und Friede, gehörte auch ein großer, satter Fernsehsender, dem einen, nämlich K., zu Nutzen, der anderen lediglich zu Frommen. Wie, wenn hier nur einer das Sagen habe, der andere aber Kasse machen könne? Also wurde ein Plan ausgeheckt, wie K. seine fünfzig Prozent Fernsehanteile an Friede verkaufen könnte. Sein Freund Fischer, aus Angelsachsen vertraut mit solchen Geschäften, könnte als neuer Chef im Hause Springer doch sicher hilfreich sein. Und kein Bonner Kanzler, kein Berliner Kartellwächter würde da auch nur die Stirn runzeln.

Hier bricht das Märchen ab und endet nicht. Denn: Wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.