Ankunft in Meppen, einer Stadt, von der man nichts wüßte, gäbe es dort keinen Fußballclub. Eine Stadt mit kleinen Häusern. Schröder ist da, Wulff ist da. Sie lächeln ihr Lächeln: Ich bin nett, ich bin kompetent, wähl mich. Wer dieser Tage mit dem Zug durch Niedersachsen reist, kommt sich vor wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. In Göttingen lächelnd verabschiedet, in Meppen genauso begrüßt, immer dieselben Plakate.

Landtagswahl, Bundestagsvorwahl. Niedersachsen ist wichtig, wichtiger denn je. Oder geht es nur um Schröder? Wird er's, wird er's nicht? Acht Tage von Stadt zu Stadt, von Lächeln zu Lächeln, auf der Suche nach dem Land hinter den Plakaten. An Schröder kommt man dabei nicht vorbei.

Vom Bahnhof in Meppen geht es weiter zum Emslandstadion, wo Wolfgang Gehrsmann wartet. Ankunft im Klischee. Der Präsident des SV Meppen ist so, wie es den Niedersachsen nachgesagt wird: bedächtig, schwerblütig. Und Meppen gilt als tiefste Fußballprovinz, als unattraktivster Spielort der zweiten Liga. Insofern steht der SV Meppen für Niedersachsen, das als Land der Langeweile belächelt wird.

Gehrsmann stört das "nicht so schrecklich". Er weiß ja, was er hat. Ein beschauliches Städtchen, eine äußere Ruhe, die seiner inneren entspricht, dazu Menschen, wie er sie mag. "Man sieht zu, daß man irgendwie zu Eigentum kommt." Zufriedenheit, das ist ein Wort der Provinz, nicht der Metropolen. "Unsere Spieler haben sich hier immer wohl gefühlt."

Könnte Franz Beckenbauer, der Präsident der ewig zänkischen Bayern aus München, das auch sagen? Einmal war der Rekordmeister im Emslandstadion, hat fünf zu zwei gewonnen. Auch so ein Vergleich, bei dem die Bayern besser abgeschnitten haben als die Niedersachsen. Ein Thema, das wurmt. Beide Länder hatten nach dem Krieg ähnliche Voraussetzungen, eine Agrarstruktur mit wenigen Industriestädten, aber die Bayern sind jetzt viel weiter. Oder wurde Niedersachsen jemals ein High-Tech-Land genannt?

Dem SV Meppen fehlt ein Sponsor, weil es im Emsland kaum große Betriebe gibt. Dennoch stand die Mannschaft einmal kurz vor dem Aufstieg in die erste Bundesliga. Aber das entscheidende Spiel wurde verloren. "Ob es gut gewesen wäre, ist eine andere Sache", sagt Gehrsmann. Nur nicht zu groß denken. Aber man kann ja mal träumen. Wenn also Geld kein Problem wäre, wen würde er dann nach Meppen holen? Ronaldo? Bierhoff? Weah? Gehrsmann muß nicht lange überlegen: "Ein Star zerstört die Mannschaft."

Womit man bei Schröder wäre. Auch die SPD wirkt manchmal so, als fürchte sie, von ihrem Star durcheinandergewirbelt zu werden. Der wiederum hat es nicht so mit der Provinz. Beim SV Meppen ist er nie gewesen, wohl aber bei der glanzvollen Borussia aus Dortmund. Die zweite Liga ist nicht sein Ding.