Frankreich, du hast es besser! Immerhin gibt es dort eine Académie, die - "eine Regierung ist nicht befugt, die französische Sprache zu verhunzen" gegen administrative Verballhornung interveniert: Madame le Ministre sei unzulässig.

Eine vergleichbare Institution hätte bei uns reichlich zu tun. Die geradezu widerliche Militarisierung unserer Sprache gäbe ein "weites (Betätigungs-)Feld". Kaum eine Zeitung, die nicht vom "Treffer" (anläßlich einer Sex-Affäre) zu fabulieren weiß, von einem Kabinett "am Rande der Kapitulation", vom "georgischen Fadenkreuz" oder irgendeiner "zerschlagenen Bastion". Die Wörter formieren sich den Titeldichtern in Reih und Glied warum der Eingriff in Bürgerrechte Lauschangriff, wieso politische Auseinandersetzungen Grabenkämpfe, weshalb die Trennungslinie zwischen Debattierenden Schützengraben heißen muß: Nur der Fahneneid unserer Medienmacher, die Lippen fest geschlossen, könnte es verraten.

Daß der peinliche Herr Rühe, der Kritik an seiner schlecht geleiteten Firma einen "Schuß nach hinten" nennt, von "Mein Stuhl steht bombenfest" faselt, mag mit seinem Metier zusammenhängen; verräterisch ist es gleichwohl. Eine Zeitschrift wie der stern indes, die sich so gerne selber zum "politischen Magazin" stilisiert, schreibt sich genauso bedenkenlos in diesen schmetternden Fanfarenstil hinein - "Die Schlacht um Bonn" wird in einer Nummer geschlagen, zwei Hefte später ist's die "Entscheidungsschlacht der Grünen"; in der Woche, in der das ZDF vom "Flagge zeigen" der Gewerkschaften schwätzt.

Sie haben noch immer, nach soviel Blut und Tod und Elend, geistig - Pardon für das harte Wort - die Hände an der Hosennaht. Was im Englischen ganz zivilisiert election campaign heißt, muß natürlich im PK-Jargon Wahlkampf genannt werden. Alte Kameraden. Die Erinnerung an Biwak, Panzerschlacht und "Ganze Kompanie: Marsch!" muß so wunderschön sein, daß der Kasernen- und Kasinodunst sich wie eine Schweißwolke über ihre Ausdrucksmöglichkeit legt; denn Sprache (ent-)birgt ja Denken wie Fühlen.

Anders wäre nicht zu erklären, daß der millionenschwere Schraubenhändler Reinhold Würth - Ziertüchlein zur Krawatte passend, fein wie der Karstadt-Verkäufer aus der Teppichabteilung - von der "Bombenstimmung" eines Betriebsfestes schwärmt, "davon reden die Leute noch in zehn Jahren". Mal abgesehen davon, daß man über dieses Wort "Leute" einen kleinen Essay schreiben könnte; "meine Leute" nannte der Herr Leutnant die Zwanzigjährigen, die er ins Sterben schickte. Es gibt Menschen, die zehn Jahre und länger ihre Erfahrung, ihre Not, den Tod ihrer Mütter und Söhne unter Bomben nicht vergessen konnten. Doch einen "Abenteuer"-Urlaub summiert der kultursinnige Unternehmer in der gemütlichen deutschen Provinz mit den drei Worten "Echt ein Schuß". Fragen wird man ja mal dürfen: Ob die Dix, Picasso oder Beckmann, die er so gern sammelt und die der Welt unvergeßliche, bohrende Antikriegsbilder geschenkt haben, unter so krachendem Haubitzenvokabular sich ganz richtig wohl fühlen?