Natürlich ist es nicht angenehm, eine Vorlesung aufrecht durchstehen zu müssen, weil man sich vor lauter Kommilitonen nicht setzen kann. Oder sich ein 400 Seiten starkes Buch zu kopieren, weil es keines mehr zum Ausleihen gibt. Oder mitanzusehen, wie sich während des Studiums die Jobchancen stetig verschlechtern.

Aber ein Grund, maulend über den Campus zu stapfen, ist das noch lange nicht, sondern eher ein Anlaß, selbst etwas zu unternehmen - so wie Andreas Hüttenhölscher aus Köln, der als Medizinstudent begann, Socken mit Pfiff zu verkaufen, und heute mit "Käpt'n Blaubär-Strümpfen" und ähnlich ausgefallener Fußware zehn Millionen Mark umsetzt. Oder Stefan Kloth aus Hamburg, der vor drei Jahren einen Versandhandel für optische Linsen gründete und sich schon ein Jahr später über einen Umsatz von einer halben Million Mark freute. Oder Michael Klems aus Bergisch-Gladbach, der für andere im Internet recherchiert, statt weiter Maschinenbau zu studieren, und sich als Gehalt rund 215 000 Mark im Jahr zahlt. Oder Karin oder Dirk oder Stefan. Sie alle haben die Flucht nach vorne angetreten und sich selbständig gemacht.

Nie ist die Gelegenheit dafür so günstig wie im Studium oder kurz danach: Studenten können sich ihre Zeit relativ frei einteilen. Sie kommen mit vielen Menschen zusammen, die Ideen haben oder die zeigen, wo es noch Marktlücken gibt. Und weil in der Regel weder für Familie noch für Heim, Haus oder Hund gesorgt werden muß, sind Studenten meist unabhängiger und eher bereit, ein Risiko auf sich zu nehmen als andere.

Geld nebenher verdienen müssen die meisten sowieso warum nicht gleich als eigener Chef? "Viele Unternehmer haben an der Uni begonnen, um ihr Studium zu finanzieren. Später wurde das dann zum Selbstläufer", sagt Silke Baumann, Geschäftsführerin des Bundesverbands Junger Unternehmer in Bonn.

Wer sich als Hochschüler selbständig machen will, wird nicht allein gelassen.

Der Bundesverband Junger Unternehmer hält Vorlesungen zur Existenzgründung an Universitäten. Professoren vor allem an ostdeutschen Hochschulen haben das Thema in ihren Lehrplan aufgenommen. Und in Berlin, München und Köln arbeiten neuerdings gar Existenzgründervereine, finanziert von Verbänden und Unternehmen: Sie helfen kostenlos Studenten und Absolventen, vornehmlich Naturwissenschaftlern, ihre Forschungsergebnisse mit einer eigenen Firma zu versilbern. Den Anfang machte im April 1996 das Existenzgründer-Institut Berlin. Das Institut half bisher zum Beispiel Jörg Niemeier, sich mit dem von ihm entwickelten Lichtlötsystem selbständig zu machen. Oder sie unterstützten Christian Eifrig, der mit Partnerfäustlingen für händchenhaltende Liebespärchen ein Unternehmen gründete.

Die Hauptaufgabe der Berliner besteht darin, die Ideengeber aus den Hochschulen und die Kapitalgeber zusammenzubringen. Denn die Hochschüler haben zwar oft gute Ideen, scheitern dann aber an der Finanzierung, weil sie sich über die Vermarktung keine Gedanken gemacht haben. Auch wenn es manch verhinderter Jungunternehmer nicht wahrhaben will: Mitunter sind die angeblich risikoscheuen Banken eine nützliche Bremse für marktblinde Idealisten.