Das neue Miet-Velo der Schweizerischen Bundesbahnen fällt auf. Knallgelb ist das Fahrrad. Im Rahmen hat es Löcher wie ein Emmentaler Käse. Gerade erst am Bahnhof Andermatt für 88 Franken die Woche ausgeliehen, sorgt das Rad schon für den ersten Spott. "Mit den Löchern ist das Chäs-Velo bestimmt leichter", frotzeln die beiden Schweizer Bergsteiger, die helfen, das Bike in den Zug zu hieven. Die Käselöcher sind leider nur aufgemalt. Mit den vollgestopften Gepäcktaschen wiegt das Rad bestimmt 35 Kilo.

In Andermatt im Kanton Uri beginnt der Rhein-Radweg. Von Europas großem Strom ist in der flachen Hochebene des Urserntals allerdings weit und breit nichts zu sehen. Der Vorderrhein, einer der beiden Quellflüsse, entspringt erst jenseits des Oberalppasses in Graubünden.

In einigen Wochen wird das Bergdorf Andermatt wichtiger Schnittpunkt des neuen Schweizer Radwegenetzes sein. Hier kreuzt dann der Nord-Süd-Radweg von Basel nach Chiasso im Tessin die Velorouten, die entlang der Rh'ne zum Genfer See und rheinabwärts zum Bodensee führen. Landesweit werden insgesamt neun Radwanderstrecken mit einer Gesamtlänge von über 3300 Kilometern markiert und ausgeschildert.

Von Rückgängen im Tourismus arg gebeutelt, hat nun auch die Schweiz die Klientel der Radtouristen entdeckt, die anderswo längst zur Verbesserung der Fremdenverkehrsstatistiken beitragen. Mit dem neuen touristischen Radwegekonzept will die Eidgenossenschaft zum "attraktivsten Veloreiseland" in Europa werden, verkündet vollmundig die Stiftung Veloland Schweiz, die eigens für die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne gegründet wurde.

Es soll Radfreaks geben, die voller Lust die 600 Höhenmeter von Andermatt zum Oberalppaß hinaufkurbeln. Aber das Bike im Käse-Look hat nur sechs Gänge.

Nicht unbedingt bergtauglich. Wozu sich schinden, wenn die Furka-Oberalp-Bahn für sechs Franken das Velo hoch zum Gebirgsübergang befördert. Der Oberalp ist ein typischer Straßenpaß, wie es viele in den Alpen gibt: zwei Restaurants, ein paar Heustadel, der kleine Bahnhof und ein großer Parkplatz.

Und immer noch kein Rhein. Die kleinen Rinnsale, die hier oben sprudeln, heißen anders.