die zeit: Herr Bukoshi, die Kontaktgruppe hat am Montag Sanktionen gegen Serbien beschlossen. Läßt sich damit das Blutvergießen im Kosovo beenden?

Bujar Bukoshi: Nein. Der serbische Präsident Slobodan Milosevic hat noch zehn Tage Zeit gewonnen, um verschiedene Operationen durchzuführen. Erst dann sollen die Auslandskonten gesperrt werden. Das Waffenembargo ist natürlich eine scharfe Sanktion gegen Belgrad. Das Problem ist aber, daß Milosevic bereits über genügend Waffen verfügt, um die ganze Region auszulöschen.

zeit: Was erwarten Sie von der internationalen Gemeinschaft?

Bukoshi: Sofortiges Handeln! Es droht eine Destabilisierung der gesamten Region. Man muß dort Truppen stationieren, um die Region und die Bevölkerung vor der serbischen Willkür zu schützen. Hier geht es um Völkermord. Die Nato-Truppen sind ja noch immer in Bosnien. Und es gibt die UN-Soldaten in Makedonien. Milosevic hat es immer geschafft, für sich noch mehr Spielraum zu gewinnen. Irgendwann wird man feststellen: Es ist zum Eingreifen zu spät.

zeit: Droht im Kosovo ein zweites Bosnien?

Bukoshi: Ich glaube, daß es schlimmer kommt. Sollte der Konflikt eskalieren, wird er die Nachbarstaaten mit hineinreißen und alle Albaner involvieren, besonders die aus Makedonien. Es gibt viele Verbindungen zwischen den Albanern im Kosovo und in Makedonien.

zeit: Warum ist es so schwierig, beide Seiten an einen Tisch zu bringen?