ZEITmagazin: Mr. Freeman, sind Sie es leid, als der "würdevollste Darsteller Hollywoods" zu gelten?

Morgan Freeman: Dieses Image begann mich erst vor kurzem zu stören. Wenn so ein Kompliment zum Lärm wird, macht man sich Sorgen. Offensichtlich werde ich da in eine Schublade gepackt, in die ich nicht reinwill. Begriffe wie Edelmut, Würde, Stärke, Rechtschaffenheit werden mit mir verbunden.

ZM: Das haben Sie den Rollen als Chauffeur in "Driving Miss Daisy" oder als Soldat im Bürgerkriegsdrama "Glory" zu verdanken. Benutzt Sie Hollywood nun, um den Filmen mehr Wärme und eine menschliche Konstante zu geben?

Freeman: In Hollywood gibt es viele Faktoren, die bestimmen, was man tut. Ich kann zwar diesen oder jenen Job ablehnen. Dafür gibt es aber immer noch Agenten, Manager, Studiochefs und meine eigene Lust am Arbeiten. Aber wegen dieses Prädikats "würdevoll" bleiben mir viele Rollen versagt, die ich gern spielen würde.

ZM: Wie kommen Sie damit klar, ein Heiliger zu sein?

Freeman: Clint Eastwood, Henry Fonda und James Cagney hatten auch das Problem, auf einen Typus festgelegt zu sein. Bogart mußte sich von seinem Gangster-Image lösen und zum toughen Privatdetektiv werden. Dieses Klischee mußte er irgendwann einfach abstreifen, um Charakterrollen spielen zu können. Wir alle haben ein Publikum um uns gesammelt. Und die Studios meinen, diese Fans darf man nicht enttäuschen. Eine bestimmte Rolle wird schnell zur Signatur.

ZM: Komischerweise hatten Sie zuerst als Bösewicht Erfolg. Als gemeingefährlicher Zuhälter Fast Black in "Glitzender Asphalt" wurden Sie für den Oscar nominiert.