Worte wie für die Annalen des Hauses Bertelsmann gedacht. "Unter dem Dach der Bertelsmann Buch AG", so Konzernchef Mark Wössner, "formiert sich das größte Publikums-Buch-Verlagshaus der Welt." Jedoch nicht Größe sei "unser Ziel. Größe an sich ist ohne wirklichen Wert." Große Worte, die der "größten Investition und Akquisition in unserer Firmengeschichte" gelten: der Übernahme des amerikanischen Buchverlags Random House. Anfang dieser Woche hat der Gütersloher Mediengigant einen Kaufvertrag mit dem US-Medienunternehmer Samuel Irving Newhouse unterzeichnet.

Random House, ein Konglomerat von rund zehn renommierten Buchverlagen, ist mit einem Umsatz von 870 Millionen Dollar die Nummer zwei in den Vereinigten Staaten. Mit einer großen Zahl von Bestsellerautoren, darunter die Nobelpreisträgerin Toni Morrison, Michael Crichton, John le Carré, Norman Mailer und Gore Vidal, gilt das Buchunternehmen jedoch als das bedeutendste des Landes. Hinzu kommen wichtige Marktpositionen in Großbritannien, Australien, Neuseeland und Südafrika. Synergieeffekte für das eigene Buchgeschäft kann Bertelsmann davon zunächst nicht erhoffen, denn die Autoren pflegen von Land zu Land mit unterschiedlichen Verlagen zu kontrahieren. Doch im Zuge einer verstärkten Konzentration auch im weltweiten Buchgeschäft dürfte die neue Verlagsformierung eine eigene Attraktivität entfalten.

Aus Bertelsmann, dem 1885 in der ostwestfälischen Provinz gegründeten Verlag wissenschaftlicher theologischer Werke und pädagogischer Lehrbücher, wurde ein "europäisch-amerikanisches Verlagshaus mit deutschen Wurzeln" (Wössner).

Und das nicht erst seit der Übernahme von Random House, die von der US-Kartellbehörde noch genehmigt werden muß. Bereits 1977 war Bertelsmann beim Taschenbuchverlag Bantam eingestiegen, zehn Jahre später kam der Buchverlag Doubleday Dell hinzu, gleichzeitig wurde das Musikgeschäft von RCA übernommen. Seit Ende der siebziger Jahre ist auch die Hamburger Bertelsmann-Tochter, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, in den USA aktiv.

1995 beteiligte sich Bertelsmann an dem Dienst American Online. Die US-Aktivitäten sind mit einem Anteil von 35 Prozent am Konzernumsatz nun gleich stark wie die deutschen. Im Jahre 2000 und x aber, prophezeit der Firmenchef, werde Bertelsmann ein globales Unternehmen sein. Schon jetzt investiert der Konzern in den Medienmärkten von Osteuropa, Asien und Südamerika. Außer im Verlagsbereich ist das Unternehmen im Musikgeschäft sowie in der Druckindustrie aktiv und mit fünfzig Prozent an der größten europäischen Fernsehholding, der Luxemburger CLT/UFA (RTL, RTL 2, Vox), beteiligt. Größe an sich mag ohne Wert sein, Selbstbewußtsein und Macht verleiht sie allemal. Mit unverhohlenem Stolz präsentierte Mark Wössner denn auch seine jüngste US-Akquisition, die das Gütersloher Unternehmen nach Branchenschätzungen etwa 1,7 Milliarden Mark kosten wird. Die Finanzierung, so Wössner, könne man leicht aus eigener Kraft bewältigen, ebenso den gemeinsam mit dem Münchner Medienunternehmer Leo Kirch geplanten Einstieg ins digitale Fernsehen, der eine ähnlich große Summe erfordert. Dieses Engagement wird zur Zeit von der Brüsseler Wettbewerbskommission blockiert - und möglicherweise nur unter Auflagen genehmigt.

Der Einstieg von Bertelsmann in den zweitgrößten Buchverlag der USA hat in der Branche überrascht. Zwar war schon lange bekannt, daß das Medienunternehmen seine Position in den USA, dem größten Medienmarkt der Welt, und zugleich weltweit das für die Ertragslage des Unternehmens überaus wichtige Buchgeschäft stärken wollte. Doch Gespräche mit Verlagen wie McGraw Hill führten nicht zum Abschluß. An das 1925 gegründete Traditionsunternehmen Random House hatte niemand gedacht - es galt als unverkäuflich.

Für Wössner ist der Aufstieg zum größten Verlagshaus der Welt zugleich der glanzvolle Ausstieg aus seinem aktiven Job bei Bertelsmann. Im Oktober wird er an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Eingefädelt hat den Big Deal sein Nachfolger an der Unternehmensspitze: Thomas Middelhoff, bisher im Vorstand für die zentrale Unternehmensentwicklung und den Aufbau des Multimediageschäfts zuständig. Seit einigen Monaten tummelt er sich in den Vereinigten Staaten. Dort stieß er auf den Random-House-Eigner Newhouse, dem er schließlich den attraktiven Buchverlag abhandeln konnte. Ein schöner Einstand. Der künftige Bertelsmann-Chef, der bisher vor allem als Spezialist für das noch sehr kleine Multimediageschäft stand, kann sich nun auch den Mantel eines Verlegers umhängen.