Der sexy Beat der Verkrampfung: Elena Lange, Thies Mynther und Mense Reents aus Hamburg haben ihn entdeckt. Punk-Akkorde, die sich zu House-Rhythmen verrenken, New-Wave-Gitarren, die an feministischen und populärmarxistischen Songtexten kratzen.

Das reibt und knirscht, droht aus den Fugen zu geraten - doch Stella bewältigen mit Verve die Konfrontationen, an denen die Bands der sogenannten Hamburger Schule oft scheitern: Zu kraß ist der Krampf, wenn soziokritische Befindlichkeitspoesie auf deutsch ausgebreitet wird, zumeist von jungen Männern, die damit ungewollt die Geister von Lindenberg, Grönemeyer & Co. auf den Plan rufen. Stellas Sängerin Elena Lange sucht sich ihre eigene brüchige, undurchsichtige Semantik im Englischen. So gelingt der Anschluß an die angloamerikanische Tradition des Pop ohne Verleugnung des persönlichen Standorts.

Stella sind begeistert von der kühlen Künstlichkeit vieler Bands der achtziger Jahre. Schneidender Gitarren-Offbeat, monotone Bässe, schepperndes Schlagzeug, plärrende Synthesizer und eine quietschende Drum Machine rutschen bei Stella im Gestus eines Jackson Pollock ineinander - die sprachlich-musikalische Schieflage wird zum wilden Vergnügen. Das permanente Leiern der hastigen Melodien beschwört, schön dilettantisch, abgenutzten Glamour zusammen mit großen Ideen: der Titelsong des Debüts "Extralife" handelt von der Angst, bourgeois zu werden und schweigend zuzusehen, wenn die Massen aufstehen.

Noch mehr geht es um den Geschlechterkampf. Stella inszenieren ihn als intelligente Streitkultur und Seifenopernklischee zugleich: zwei Männer und eine Frau, bekannte Konstellation, das Zwei-zu-eins des Musikalltags - auf dem Cover läuft die Sängerin in eine andere Richtung als ihre beiden Kontrahenten. In den Songs jedoch wirkt das Gewicht der atemlos hervorgepreßten langen Textzeilen und überdehnten, im Playbackverfahren vervielfachten Gesangsintervalle genau entgegengesetzt: eins zu zwei für Elena Lange!

Popmusik als der bessere Lebensentwurf? Die Verfechter des diskursiven Denkens sind in ihren politischen und kulturellen Nischen resigniert und werden kaum mehr laut gehört. Auch Stella sind nicht wirklich laut. Elena Langes Stimme ist nicht schriller, nicht penetranter, als es für eine modischselbstbewußte Großstadtsirene von 21 Jahren einfach notwendig ist. In keinem ihrer musikalischen Bezüge überschreiten Stella ein Maß, auf das man sich bereits verständigte - doch gerade dadurch gewinnen ihre Anliegen an Kraft.

Die Verkrampfungen mit sich schleppen, aber auch drüber weghüpfen. Der Smash-Hit-Appeal der Songs, der harte, schnelle, flach und fröhlich hopsende Beat reißen fort in ein sinnliches Erleben. Und mittendrin schillert bunt und lebendig die Theorie von der Subversivkraft des Pop.