Reinhart Koselleck schreibt in seinem ZEIT-Beitrag "Die falsche Ungeduld" (Nr.13/98): "Mit der erzwungenen Konzession, auf seiten der Unschuldigen nur der Juden zu gedenken und nicht der Millionen anderer unschuldiger Ermordeter ..."

Ich hätte gerne gewußt, worin der Zwang bestand und wer hier gezwungen wurde. Desgleichen hätte ich gerne gewußt, wenn ein Denkmal für die ermordeten europäischen Juden entsteht, wieso dieses einen strikten Ausschluß jeder anderen Opfergruppe bedeutet, und wann Bubis "mit unüberbietbarer Intoleranz" immer wieder dieses gefordert habe.

Des weiteren würde mich interessieren, wieso meine Meinung zum Mahnmal "nicht legal" und die Meinung von Herrn Koselleck legal sein soll. Es ist eine unüberbietbare Arroganz und Intoleranz seitens Professor Kosellecks, wenn er nur seine Meinung als legal und gerecht ansieht, nicht jedoch die Meinung anderer.

Dieses Mahnmal wurde vom Förderkreis zur Errichtung eines Mahnmals für das ermordete Europäische Judentum e.V. initiiert, wobei es aus der Sicht des Förderkreises nicht mit den Juden, sondern von Nichtjuden zum Gedenken an die ermordeten Juden errichtet werden sollte. Wenn Reinhart Koselleck meint, daß dieses der falsche Weg sei, möge er sich mit dem Förderkreis auseinandersetzen, und nicht mit den Juden, und vor allem möge er nicht versuchen, seine persönliche Meinung und die sicherlich noch anderer, anderen zu oktroyieren. Mir persönlich, wie den meisten Juden, reicht das Mahnmal in Yad Vashem, beziehungsweise das, was wir im Herzen tragen. Es ist Sache der Nichtjuden, ob sie in der deutschen Hauptstadt ein Mahnmal für das ermordete europäische Judentum errichten wollen oder nicht.

Der Zentralrat ist deshalb auch nicht Mitglied des Förderkreises und weder in der Jury noch in einem anderen Gremium vertreten. Auch ich persönlich habe mich über die Gestaltung des Mahnmals und zu den eingereichten Entwürfen nur sehr zurückhaltend geäußert. Daß ich überhaupt etwas gesagt habe, hing mit meiner Einstellung, die ich bei der Vorstellung der Auslobung zum Ausdruck brachte, zusammen. Ich habe mich seinerzeit bei den Initiatoren des Förderkreises bedankt und lediglich gebeten, bei der Errichtung des Mahnmals für das ermordete europäische Judentum nicht an den Juden vorbeizuplanen. Das war der Grund, warum ich bei der Diskussion nach dem ersten Wettbewerb gebeten habe, Vertreter des Europäischen Judentums zu der Debatte einzuladen. Diese waren allerdings über den Verlauf der Debatte so entsetzt, daß sie es vorzogen, sich nicht zu äußern. Nach der ersten Sitzung sind sie dann zu den nächsten Sitzungen gar nicht mehr erschienen.

Das alles hat nichts damit zu tun, daß auch alle anderen Verfolgtengruppen einen Anspruch auf ein Mahnmal haben. Sollten dabei einzelne Gruppen jeweils ein eigenes Mahnmal haben wollen, so habe ich jedenfalls, im Gegensatz zu Professor Koselleck, dafür vollstes Verständnis. Leider ist es nun einmal so, daß insbesondere die Pseudo-Intellektuellen meinen, als einzige die Wahrheit zu kennen, und nicht bereit sind, Meinungen anderer zu akzeptieren.