Der PEN-Club Ost hat sich in Berlin dazu durchgerungen, die Fusion mit dem westdeutschen PEN-Zentrum anzustreben. Die Einmütigkeit in der umstrittenen Vereinigungsfrage erinnerte an lange versunkene Zeiten: 60 von 62 anwesenden Mitgliedern stimmten für die Verschmelzung mit dem Darmstädter Club. Freilich müssen dessen Mitglieder dem Anschlußbegehren erst noch zustimmen. Im Mai steht die Jahrestagung des West-PEN in München an, für den 1. Juni ist bereits der Anschluß anvisiert. Dabei scheint keineswegs entschieden, daß er zustande kommen wird. Die Berliner haben sich nämlich geweigert, dem Wunsch des West-PEN zu entsprechen, zwei als IM belastete Autoren - Bernd Köhler und Hans Marquardt - auszustoßen. Man beruft sich dabei zum einen auf Günter Grass, der gegen den Ausschluß agitiert hatte - und auf die besseren Traditionen des DDR-PEN, der im Unterschied zum Schriftstellerverband niemals auf höheren Wunsch ein Mitglied ausgeschlossen habe, auch Wolf Biermann nicht. Im übrigen, so hieß es, müsse sich auch der West-PEN fragen lassen, ob es bei seinen Mitgliedern nicht auch "gewisse Kooperationen" gegeben habe, die zur Diffamierung anderer Schriftsteller geführt hätten. So hören wir eine ambivalente Botschaft: Dem Wunsch nach Zusammenschluß läßt man diffuse Anschuldigungen gegen diejenigen folgen, mit denen man es zu tun bekommen würde - vielleicht in der Hoffnung, daß in einem Klima des Verdachts berechtigte Vorwürfe untergehen. Es ist unwahrscheinlich, daß ein vereinigter PEN-Club unter solchen Umständen bald seine Arbeit wird aufnehmen können. Und sollte er es doch tun, so scheint es noch viel unwahrscheinlicher, daß man es dabei mit einer politisch-moralisch maßgeblichen Institution zu tun haben wird.