Sie war eine Impresaria der bildenden Kunst ohne Beispiel. Eine Freundin, wie man sie sich nur wünschen kann. Oder: wie sie die Maler Jawlensky, Feininger, Kandinsky und Klee nicht produktiver finden konnten. Galka Scheyer, von ihren Freunden abwechselnd und je nach Stimmungslage und Geschäftsbeziehungen Minister, Kindermädchen, Little Friend oder auch Tornado genannt, erfand für ihre "Könige" einen Gruppennamen mit ungewöhnlicher Zielsetzung: "Die Blaue Vier", 1924 auf dem Höhepunkt der Inflation in Deutschland gegründet, sollte von ihr in den USA bekannt gemacht werden.

Ausstellungen, Vorträge, natürlich auch Verkäufe (auf Dollarbasis) waren das Programm. Galka Scheyer löste es bis in ihr Todesjahr ein, zunächst in New York, dann in Kalifornien, unter weitaus schwierigeren Bedingungen als erwartet.

Denn der amerikanische Kunstmarkt wartet nicht auf kaum bekannte europäische Avantgarde. 600 Universitäten und 400 Museen habe sie angeschrieben und um eine Ausstellung der "Blue Four" geworben, berichtete die Agentin in den zwanziger Jahren. Das Ergebnis war zunächst niederschmetternd.

Heute erst wird sichtbar, wie bedeutend Galka Scheyers Vermittlertätigkeit war und wie wichtig ihr Einfluß auf richtungweisende Privatkollektionen (etwa die der Arensbergs) dann doch wurde.

Erstmals ist nun die filmreife Geschichte dieser Frau, 1889 als Tochter einer großbürgerlich-jüdischen Familie in Braunschweig geboren, in eine imponierende Ausstellung verwoben - auch wenn ihr Name im Titel nicht erscheint. Immerhin aber wurde der zwanzigjährige Einsatz für Kunst und Künstler zum Forschungsanlaß und mündete zudem in einen bis zur letzten Fußnote lesenswerten Katalog. Die Dokumentation eines wenig bekannten Kapitels neuerer Kunstgeschichte ist zugleich eine sehr späte Huldigung für eine enthusiastische Persönlichkeit.

Der großmütigen Geste Scheyers, die 1943 in Hollywood starb, ihren Kunstbesitz und die Materialien ihrer Tätigkeit einem amerikanischen Institut zu hinterlassen, verdankt seit 1953 das heutige Norton Simon Museum in Pasadena einen exquisiten Bestand von Werken der "Blauen Vier" und den ungehobenen Schatz der Dokumente. Dank einer Zusammenarbeit des Kunstmuseums Bern und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf sind nun erstmals Teile der Scheyer-Kollektion nach Europa ausgeliehen worden: eine Auswahl von höchster Qualität und Frische - begleitet von nicht minder lebendigen (und auch für rege Ausstellungsbesucher unverbrauchten) Bildern aus den zwanziger und dreißiger Jahren, die aus amerikanischen Museen oder Privatsammlungen stammen. Sie wurden einst von der Scheyer vermittelt oder sie dokumentieren die Freundschaft der Gruppenmitglieder untereinander. Was Künstler sich schenken, was diese später verkaufen oder für immer bewahren, ist auch eine interessante Geschichte.

Großartige Bilder vor dem Hintergrund eines unbekannten Hollywood-Panoramas.