Herr Scholz, spricht der Reporter fahrig in den Hörer, Herr Scholz, bitte erschrecken Sie nicht. Ich bin ein Journalist. Schweigen. Dann sagt die Altmännerstimme: Es ist mein einziger Triumph, daß wir die Beerdigung meiner Enkelin geheimhalten konnten. Was wollen Sie denn noch? Begreifen wolle er, beteuert der Reporter und haßt, daß ihm die Stimme kippelt. Was hat er für ein Recht auf dieses Leid? Aber da Janas Tod so viele und vieles betrifft, ist längst nicht mehr privat, was ins Verborgene gehört.

Herr Scholz, was haben Sie den linken Demonstranten gesagt, zwei Tage nach der Tat?

Ich war ja gar nicht dort. Die Polizei hat ein Tonband abgespielt. Ich habe inständig darum gebeten, Gewalt zu vermeiden und politischen Mißbrauch zu unterlassen. Und daß man die Trauer der Familie respektieren möge.

Jana wurde der linken Szene zugerechnet, so stand es in der Erfurter Pressemitteilung, die Angelo Lucifero ...

Lucifero, sagt Siegfried Scholz erregt. Mein einziges Ziel ist, daß dieser Mann wegkommt. Der schnitzt die Pfeile, die andere verschießen. Und lebt von Gewerkschaftsbeiträgen. Ich habe schon Freunde zum Austritt überredet. Die Jana hat in der Klubhausszene verkehrt. Aber ihre linken Sprüche, das waren doch nur Phrasen. Wenn man nachhakte: Nichts. Keine Antwort.

Haben Sie Jana zu allen Zeiten gut gekannt?

Ja, sagt Siegfried Scholz fest. Ja, auch in den schwierigen Phasen. Als sie mit der Maria ausgebüxt war von zu Hause. Als sie von der Schule wollte, nur noch reisen, Freiheit fühlen. Das Bild am Tatort, an der Blumenwand, das sei sie, typisch: dieses Forsche, Schlaue, trotzig, Unternehmungsgeist. Er habe sie viel photographiert und überhaupt für jedes Enkelkind ein Album angelegt. Schade, daß Sie nicht, vielleicht, was weiß ich, ob Sie, daß man doch persönlich, rufen Sie heute abend noch mal an.