Der Vormieter von Talland House in St. Ives hatte "nie etwas von dem verdammten Weib gehört", lernte aber schnell, diejenigen zu verabscheuen, die auf ihren Spuren reisten: Amerikaner im Wohnzimmer, Australier im Bad, Japaner auf der Terrasse, sobald er die Türen offenstehen ließ. Und alle wollten den geweihten Boden betreten, den der Mann eigensinnig als den seinen betrachtete. Auf diese Weise erfuhr er, daß das Weib Virginia Woolf hieß und angeblich eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts war.

Als kleine Virginia Stephen habe sie aus diesem Fenster über die Bucht zum Godreavy- Leuchtturm geblickt, im Garten mit ihrer Schwester Vanessa gespielt, sagt der Mann, und alles in allem sei er, mit Verlaub, ein literarischer Banause und ein ungastlicher Klotz. Mrs. Bedford, eine muntere blonde Dame, die Talland House heute mit ihrer großen Familie bewohnt und Teile des Obergeschosses an Feriengäste vermietet, hat hingegen gelernt, mit den "Woolfies" zu leben. Sie entschuldigt sich sogar für den Zustand des Rasens und die zusammengehackte Buddleia neben der Gartenbank, als eine 37köpfige deutsche Reisegruppe über sie hereinbricht. "Wir versuchen,das Haus wieder so hinzukriegen, wie Virginia Woolf es gekannt hat", sagt sie und blättert im Wohnzimmer ihr scrapbook auf, in das sie Kopien von Photos eingeklebt hat: hier eine Ecke vom Kamin - leider nicht mehr im Original vorhanden -, dort ein Stück Tapete mit Zweigen und Blättern, Hintergrund für ein langes, stilles Mädchengesicht mit verhangenen Augen.