Eltern haften für ihre Kinder. So lautet eine alte Regel. Gemeint ist: Vater und Mutter müssen zumindest mit dem Scheckbuch für die Sünden ihrer Jüngsten geradestehen. Den Bayern reicht das aber nicht. Sie wollen, daß Väter und Mütter die Koffer packen und gemeinsam mit ihren kriminellen Kindern das Land verlassen - natürlich nur, wenn sie Ausländer sind. Der Freistaat kennt da kein Pardon - und auch kein Grundgesetz.

Ausgewiesen werden dürfen nämlich nur jene ausländischen Eltern, die sich selbst strafbar gemacht haben. Etwa weil sie ihre Kinder als Drogenkuriere eingesetzt oder zum Diebstahl angestiftet haben. Wer aber achselzuckend oder hilflos zuschaut, wie seine Kinder auf Raubzug gehen, der hat zwar in der Erziehung versagt, aber kein Strafgesetz gebrochen. Schlechte Eltern - gleich ob Deutsche oder Ausländer - kommen nicht vor den Richter, sondern, und das ist sinnvoll, zum Jugendamt.

Es gibt allerdings auch immer das Richtige im Falschen: Es stimmt, daß eine wachsende Zahl von Jugendlichen gegen das Gesetz verstößt und deshalb auch eine Debatte darüber geführt werden muß, wie man die Eltern von kriminellen Kindern stärker zur Verantwortung zieht. So gesehen steckt auch in den schroffen Vorschlägen aus Bayern ein Körnchen Wahrheit.