Der Euro kommt, auf dem Papier ist alles klar. Die spannende Frage lautet nun: Wie wird die Europäische Zentralbank (EZB) in der Praxis handeln?

Geldpolitik in Deutschland, das war schließlich ein festes Ritual: Die Bundesbank legt nicht einfach nur die Zinsen fest, sie steht in einer permanenten Diskussion mit wissenschaftlichen Instituten, Banken, Politikern und Tarifparteien. "Wir brauchen die Unterstützung der Öffentlichkeit", erläutert Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing und nennt damit eine wesentliche Voraussetzung, damit Währungshüter erfolgreich handeln können.

Doch während sich die Experten des Europäischen Währungsinstituts (EWI) und die Notenbankgouverneure seit Jahren in die letzten Windungen der künftigen Geldpolitik vertieft haben, wurde eine ebenso zentrale Frage nicht gestellt: Wie erreicht und überzeugt man die europäischen Bürger? Schließlich gibt es "die" öffentliche Meinung in Europa noch nicht, sondern nur ein buntes Puzzle nationaler Öffentlichkeiten.

Hinter der Grundfrage, wie eine Öffentlichkeit zu erreichen ist, die sich in elf Länder auffächert, verbirgt sich eine zweite: Zu welchen Problemen kann sich die EZB äußern, ohne nationale Empfindlichkeiten zu verletzen? Darüber gibt es selbst in Deutschland unterschiedliche Ansichten. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ist davon überzeugt, daß die EZB "durch ihre Stärke und Unabhängigkeit schnell in eine Schiedsrichterrolle in vielen Fragen hineinwächst". Die Wahrscheinlichkeit, daß sie diskret im Hintergrund bleibe, sei gering. Und Manfred Neumann, einer der Autoren des Ökonomen-Manifests gegen den Euro, meint gar, die EZB solle sofort einen Konflikt mit der EU-Kommission vom Zaun brechen, um Profil zu gewinnen.

Peter Bofinger, Ökonomieprofessor und Euro-Befürworter, mahnt dagegen Zurückhaltung an: "Es wäre falsch, sich um Aufgabenbereiche zu kümmern, die nicht die Geldpolitik betreffen." Er könnte sich vorstellen, daß sich die EZB in ihren Äußerungen auf Geldpolitik und wirtschaftliche Konvergenz konzentriere, während die nationalen Zentralbanken ähnlich wie bislang allgemeine wirtschafts- und sozialpolitische Themen behandeln.

Bundesbanker sind jedenfalls überzeugt, daß die richtige und wirksame Kommunikation der EZB eines der wichtigsten Themen überhaupt ist. Es sei "unverständlich, daß man sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat", moniert ein Insider aus der deutschen Notenbank. Ein weiterer Spitzenvertreter, das Direktoriumsmitglied Edgar Meister, weist darauf hin, daß die EZB "Verständnis und Unterstützung für eine Geldpolitik erreichen muß, die unter Umständen zwar auf den größten Teil des Währungsraumes, aber nicht für alle Länder zu hundert Prozent paßt".

Der Härtetest für die EZB steht vor dem Hintergrund hoher Preisstabilität noch nicht an - er droht, wenn die Notenbank zum ersten Mal die Zinsen anheben und diese Entscheidung verständlich machen will. Wie dieses Erklären und Erläutern funktionieren soll, ist noch völlig offen, vor allem angesichts der Tatsache, daß die nationalen Zentralbanken bestehen bleiben. Das EWI hat sich nach eigener Aussage noch keine Gedanken über dieses Thema gemacht.