München

Die Namen der Damen, denen Präsident Clinton Avancen machte, sind inzwischen weltbekannt. Die Frauen erzählen von eindeutigen Aufforderungen, Nötigung, Oralsex - von einem Verhalten also, das jeden Abteilungsleiter in einem Kaufhaus vors Tribunal des Firmenfrauenbeauftragten oder gleich vor Gericht gebracht hätten. Sexual harassment als Straftatbestand ist eine amerikanische Erfindung und sie ist bereits vielen Männern zum Verhängnis geworden.

Sexuelle Belästigung an einer amerikanischen Uni etwa kann bereits ein "unpassendes Kompliment" oder "mehrfaches Bitten um ein Rendezvous" sein.

Besonders pikant an "Zippergate" ist, daß Präsident Clinton als glühender Verfechter von Gesetzen gegen sexuelle Belästigung und von frauenfreundlicher Politik überhaupt gilt. Und nun das Paradox: Clintons Sexkapaden haben gerade bei Amerikas Feministinnen nur beredtes Schweigen hervorgerufen. Kaum ein Schrei nach Gerechtigkeit für die gedemütigten Praktikantinnen und Wahlkampfhelferinnen wurde vernommen. Wo sind die Feministinnenbataillone geblieben? Clinton habe ein zipper problem (Hosenschlitzproblem) heißt es abwiegelnd-verständnisvoll, so als handelte es sich um eine Lappalie wie abstehende Ohren oder übermäßigen Spaghettigenuß. In einem makabren Rollentausch der Geschlechter gehen manche gar mit einer alten Frauennummer auf Verständnistour: Der arme Präsident könne doch nichts dafür, daß er so gut aussehe und sich deshalb vor Avancen nicht retten könne.

Solch eine verständnisvolle Sicht der Dinge hatten die amerikanischen Feministinnen und ihre politischen Genossinnen im Senat nicht immer parat, wenn es um allzu lockere männliche Sitten ging. Die Senatoren Tower und Packwood mußten gehen, der Richter Clarence Thomas verpaßte um ein Haar den Einzug ins Oberste Gericht. Alle drei hatten nicht mehr, sondern eher weniger Berührungswut gegenüber Frauen als Clinton entwickelt. Woher die plötzliche Großzügigkeit der normalerweise recht ungnädigen Schwesternschaft?

Sollte es daran liegen, daß Clinton die "richtige" Agenda, sprich Recht auf Abtreibung, staatliche Kindergärten, affirmative action hat, die Herren Towers, Packwood und Thomas aber nicht? Oder war der größte Fehler der feministisch Verdammten, daß sie vergessen hatten, sich zur Tarnung ihres Machismo ein feministisches Weib an die Seite zu stellen?

Hillary Clinton ist eine glühende Feministin. Doch ganz gleich wie oft ihr Mann sie mit seinen Eskapaden gedemütigt hat, ist ihre Devise die eines berühmten Country-Songs: "Stand by your man". Hinter "ihrem Mann", dem Hallodri Clinton, stehen auch die Feministinnen Amerikas.