A bisserl dreckert" fanden sie meinen Anorak schon, die oberbayerischen Freunde. Besonders, da bereits eine Woche seit meiner Rückkehr aus dem Naturschutzgebiet des Trentino verstrichen war. Es galt, sie aufzuklären: Was da wie zerronnene Schlammspritzer wirkte, war der kümmerliche Rest einer Art flüchtiger Trophäe - die Tatzenabdrücke eines jungen Braunbären. Aus etwa einem halben Meter Nähe hatte das Tier mich mit seinen schokobraunen Augen gemustert und mir dann eindeutig Bäriges ins Ohr geraunt. Die Freunde zeigten ein Herz und nannten mich eine ganze Weile lang nur noch "Der mit dem Bär brummt".

Auch in alpinen Gefilden erfordert die Bärensuche vor allem Langmut. Vor nunmehr drei Jahren war ich erstmals losgepirscht. Im Rucksack weder Falle noch Flinte, sondern nur Notizblock und Kamera. Ich setzte mich in die S-Bahn und fuhr von Hechendorf am Pilsensee eine Station weiter nach Herrsching am Ammersee.

Oberhalb von Herrsching beim Kloster Andechs die erste vage, ins Trentino weisende Spur. Hier oben, wo seit Jahrhunderten die Mönche mit ihrer Starkbierbraukunst brillieren, prangt auf dem Schild des Klostergasthofs ausgerechnet eine Weinkanne. Nun, zu den Besitztümern von Andechs-Meranien gehörten auch Weinorte wie Moritzing bei Bozen. Einer dieser Südtiroler Andechser hieß Rhomedius. Im 12. Jahrhundert verzichtete Rhomedius, der Aristokrat, auf sein beträchtliches Hab und Gut. Gemäß einer Legende soll er fortan mit einem gezähmten Braunbären seine Einsiedelei in den dichten Mischwäldern des heutigen Trentino geteilt haben.

Eine seltsam nach Weihrauch duftende Bärenspur. In Italien wird San Romédio gar als Schutzheiliger aller Bären verehrt. In einem Seitentälchen zwischen Trient und den Dreitausendern des Brentamassivs wurde ihm sogar ein Wallfahrtskloster geweiht.

Ich peilte es ohne allzugroße Pfadfindermühe an. In den Wirtsstuben der auf über 700 Meter gelegenen Orte wie Molveno spucken und fauchen in den offenen Kaminen die Buchenscheite. Übers Val di Sole, dem fruchtbaren Sonnenbalkon der Region, sickert aus etlichen Silos das süße Parfum frisch geernteter Melinda-Äpfel.

Weiter oben in den Wäldern duftet es nach Steinpilzen. Dort orientiert sich der Bärensucher an Markantem, wie etwa an einer dicht bewaldeten Kuppe, die Bärenkampanile heißt. Die Mittagsstille scheint zu vibrieren, sie trägt das Schnabelhämmern eines Spechts über weite, billardfilzglatte Weiden.

Das prickelnde Gefühl, urwüchsiger Naturspäher zu sein breitet sich aus. Da drüben zum Beispiel, dieses Häuflein Kot im Gebüsch? Noch keine Bärenspur.