Neulich, am Stehtisch auf einem Bonner Empfang: Werner Schulz, Parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion und just gescheiterter Oberbürgermeister-Kandidat für Leipzig, unterhält sich mit einem fernsehbekannten Kabarettisten - das heißt: Der Kabarettist unterhält ihn. Ob es nicht entsetzlich sei, wie sich die Republik entpolitisiere, fragt er den Politiker. Er, der Kabarettist, könne kaum noch gehaltvolle Gesellschaftskritik betreiben, weil die Zuschauer von nichts mehr eine Ahnung hätten, nicht einmal bekannte Politiker mit Namen kennten. Nach einer halben Stunde verabschiedet sich der Kabarettist und fragt beim Hinausgehen leise einen Journalisten: "Sagen Sie, der Mann, mit dem ich da am Tisch stand - wer war das eigentlich?"