Selbstbewußt zeigen die Italiener derzeit nationalen Stolz. Was noch vor zwei Jahren als fast unmöglich erschien, ist geglückt: Das Land gehört zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Währungsunion. Drastische Steuererhöhungen und ein harter Sparkurs in den vergangenen sechs Jahren führten ans Ziel.

Ein Vierteljahrhundert lang hatten christdemokratische Regierungen erst allein und dann im Zusammenspiel mit der kommunistischen Opposition teils im Schlendrian, teils aus Furcht vor innenpolitischer Radikalisierung mit vollen Händen Geld ausgegeben. Das gute Leben auf Kredit endete abrupt im Sommer 1992, als die Lira abstürzte. Seitdem gab es nur noch ein Ziel: Heraus aus der Mißwirtschaft und weg mit dieser Währung. Carlo Azeglio Ciampi, bis 1992 Notenbankchef, später Ministerpräsident, jetzt Schatz- und Haushaltsminister in einer Person, ist der Vater dieses spektakulären Erfolges. Sein Alter ego hat Ciampi in Notenbankchef Antonio Fazio, den er 1992 selbst zum Nachfolger kürte. Ohne den Mitspieler Fazio, der geldpolitisch womöglich noch strikter agiert hat als die Deutsche Bundesbank, wäre das Rennen um den Euro nicht so gut gelaufen.

Zwar fällt das offizielle Schlußwort über den Kreis der Euro-Teilnehmer erst Anfang Mai. Aber schon seit Wochen ist es europäische Gewißheit, daß Italien dabei ist. Letztes Wochenende nutzte selbst der ansonsten recht vorsichtige Präsident der EU-Kommission, Jacques Santer, die Vorlage der Dreijahresbudgetplanung (1999 bis 2001) durch Roms Regierung zu einem vorab erteilten Segen: "Sie geht in die richtige Richtung und wird Italien seinen Platz im ersten Zug der Gemeinschaftswährung sichern."

Das Dreijahresbudget hat Italiens Regierung diesmal einige Monate früher als üblich erstellt. Es soll schon vor dem entscheidenden Euro-Gipfel Italiens Zuverlässigkeit unter Beweis stellen, auch wenn es erst später im Parlament beraten und verabschiedet wird. Das Planpapier soll vor allem jenen Partnern Vertrauen einflößen, die immer noch voller Skepsis auf Italiens gewaltige Staatsschulden und unerledigte Strukturreformen weisen. Gleichzeitig bindet der Haushaltsplan auch die politischen Kräfte des Landes: Sie müssen die festgelegten Vorgaben nach Kräften einhalten. Und solange Ciampi, der schlaue Fuchs, Schatzminister ist, wird er Kollegen, die zur Laxheit neigen, diesen Spiegel vorhalten.

In mancher Hinsicht erscheint der Budgetplan wie eine Art Wunschpapier.

Danach soll es drei Jahre lang nur 1,5 Prozent Inflation in Italien geben.

Die Zinsen sollen noch einmal kräftig sinken, und die Abgabenlast soll sogar um zwei Punkte geringer werden. Gleichzeitig will Rom noch das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von jetzt 122 Prozent auf nur noch 110,6 Prozent bis Ende 2001 zurückführen. An der Sozialstruktur will Rom drei Jahre dennoch nicht rühren und zur Finanzierung neuer Arbeitsplätze nach langer Zeit wieder tief in den Staatssäckel greifen. 660 000 Arbeitsplätze sollen auf diese Weise entstehen.