Daß es Deutschlands schönste Akademie ist, Schloß Solitude bei Stuttgart, bezweifelt niemand. Seit der Gründung als Stiftung des öffentlichen Rechts 1990 haben über 350 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt, als halb- oder ganzjährige Stipendiaten, in den als Wohnung samt Atelier eingerichteten 45 Studios der 1763/64 erbauten Kavaliers- und Officenbauten von Herzog Carl Eugens altem Lustschloß gelebt und gearbeitet. Wie eine lebendige Akademie im nächsten Jahrhundert aussehen könnte: nicht nur staatlich gefördertes Refugium für Künstler aus sieben Sparten zwischen Literatur und Design, Architektur und Film, sondern als "Experiment auf Dauer" auch ausgreifend in andere Städte und Länder. Mit Hilfe von Sponsoren trägt die Akademie den Namen Solitude (und Baden-Württemberg) nun ins Weite. Nachdem ein Solitude-Atelier in Stuttgart (Römerstraße 2) eröffnet wurde, gibt es jetzt auch in Berlin-Tiergarten eine Wohnung mit Schauraum, die Stipendiaten einen Arbeitsaufenthalt in Berlin erlaubt. Auch mit der "Baracke" des Deutschen Theaters arbeitet die Solitude-Akademie jetzt zusammen (Aufführung des Stücks "Poljot" von Alexej Schipenko). Das Netzwerk Solitude bezieht zum ersten Mal auch die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik ein, gastiert im Herbst in Galerien der Stadt Genua, schickt vier polnische Künstler auf Stipendienreisen durch Europa und plant für das kommende Jahr "Solitude in Budapest". So werden andere Partner gewonnen, wandelt sich das alte Förderkonzept für Künstler in Richtung Eigenverantwortung und werden neue Arbeitskontakte geschaffen.