Alan Turing hat sozusagen den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Als Kopf einer britischen Dechiffrierbrigade gelang ihm der entscheidende Schlag: Er knackte den Geheimcode der Nazis. Daß sein Name heute kaum bekannt ist, liegt vor allem daran, daß man ihm wegen seiner homophilen Neigungen keinen Ruhm gönnte. Dabei hat er nicht nur Hitler besiegt. Seine Arbeiten im Chiffrierwesen lieferten außerdem die Grundlagen für die Verschlüsselung von Kreditkarten und Bankkonten. Turing ist sozusagen Vater der Pin - der persönlichen Identifikationsnummer.

Die Pin macht aus Bankkunden eine Art Mata Hari. Schon die zugeschweißte Kohlepapiertasche, mit der dem Kunden seine Pin mitgeteilt wird, wirkt wie ein Kassiber. Der Inhalt muß streng geheimbleiben. So wie jeder Agent sein Kennwort hat, haben Bankkunden heute ihre Pin, die es ihnen ermöglicht, mit der Bank Kontakt aufzunehmen. Die Pin darf unter keinen Umständen in die Hände Dritter geraten. Was schwierig ist. In den Wohnungen finden sie die Einbrecher. Ständig bei sich tragen darf man sie auch nicht, weil sie sich nicht in der Nähe der Kreditkarten befinden soll. Abschreiben und als Telephonnummer tarnen ist ebenfalls unmöglich. Spezielle Computerprogramme filtern falsche Nummern im Adreßbuch blitzschnell heraus.

Im Grunde bleibt nur eins: die Pin auswendig lernen, dann gut durchkauen und mit einem Glas Wasser hinunterspülen. So wie es Mata Hari gemacht hat. Obwohl sie es damals noch leicht hatte, weil ein Kennwort genügte. Der moderne Mensch muß mindestens ein Dutzend Nummern schlucken, um in zu sein. Eine fürs Erstkonto, eine fürs Zweitkonto, eine für die EC-Karte, eine für die VIP-Kundenkarte, eine für den Online-Dienst, eine für den Schreibschutz von Word, eine für den Pornoservice im Internet, eine für die Stechuhr im Büro und so fort und so fort. Ein Glück nur, daß man sich wenigstens seine Telephonnummer aufschreiben kann. Zuviel Geheimnummern sind schwer verdaulich.