Jetzt ist es amtlich: Kranke, die sich privat behandeln lassen, brauchen Mut zum Risiko. Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage zweier Ärzte gegen die neue Altersgrenze für Kassenärzte abgewiesen. Ärzte müssen fortan ihre Kassenzulassung abgeben, wenn sie das 68. Lebensjahr erreicht haben. Die Neuregelung dient dem Schutz der Patienten. Schließlich entspricht es nach Ansicht der Richter der "Lebenserfahrung, daß die Gefahr einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit auch heute noch mit zunehmendem Alter größer wird". Wenn die Richter dann aber finden, die Altersgrenze wirke ja nicht mit voller Härte, weil die Ärzte schließlich privat weiterbehandeln dürften, wird die Sache heikel. Sind Patienten, die sich privat von Siebzig- oder Achtzigjährigen behandeln lassen, etwa weniger schutzbedürftig? Muß, wer die große Kassensolidarität verlassen hat, um sich beim Doktor etwas Besseres leisten zu können, deshalb gleich in Kauf nehmen, daß dem altersschwachen Doktor mal das Skalpell ausrutscht?