Carl Djerassi, der als Vater der Antibabypille zu Ruhm und Reichtum gekommen ist und seit ein paar Jahren als Romancier das Publikum beglückt, erzählt wieder einmal aus dem Nähkästchen der modernen Biomedizin: In "NO" (Haffmans Verlag, Zürich 1998 335 S., 44,- DM) dreht sich alles um eine Liebeshilfe für schwache Männer. Denn die altbekannte chemische Verbindung Stickoxid (Abkürzung NO) wurde unlängst als unerläßlicher biologischer Botenstoff identifiziert, der unter anderem auch für die Erektion eine wichtige Rolle spielt. Dabei präsentiert Djerassi die Entwicklung und Vermarktung eines Apparates namens MUSA (Medizinisches Utensil zur sexuellen Aktivierung) als schillernden Comic strip aus der Pharmaindustrie. Laborexperimente, Selbstversuche und endlose Testreihen kommen darin ebenso vor wie Geldbeschaffung, Querelen mit der Aufsichtsbehörde und Marketing-Strategien.

Lebensecht beschreibt Djerassi die Aktivitäten der hypothetischen Bio-Tech-Firma Surya in Palo Alto, die sich dank MUSA zum internationalen Börsenstar mausert - und antizipiert damit, was soeben mit der erektionsfördernden Tablette Viagra des Pharmakonzerns Pfizers Wirklichkeit wurde.

Natürlich vergißt Djerassi auch seine lieben Kollegen aus der Wissenschaft nicht. Wie in allen seinen Romanen ironisiert er Konkurrenzkampf, Egozentrik und Prioritätenstreitereien in der Forschung. Zur Abrundung läßt er noch einmal Isidor Cantor auftreten, den eitlen Ehrgeizling aus seinem Nobelpreis-Roman von 1991. Den Vogel schießt Djerassi allerdings selbst ab: Zeigt der Autor doch keine Hemmungen, in seinem Buch auch sich selbst in persona einzuführen und als berühmten Gelehrten von Studenten und Professoren bewundern zu lassen. Einmal mehr erweist sich Carl Djerassi als Meister der Unbescheidenheit.