Vor zwanzig Jahren nahm niemand in Washington die harsche Kritik des damaligen Chefs von Delta Air Lines ernst, der warnte: "Die Deregulierungs-Vorschläge sind die am schlechtesten durchdachten, die dem amerikanischen Publikum je vorgelegt wurden. Ihre Fürsprecher, die nichts über diese Industrie wissen, ignorieren einfach die unglücklichen Effekte, die die Deregulierung mit sich bringen kann."

Dennoch unterschrieb Präsident Jimmy Carter am 28. Oktober 1978 den Airline Deregulation Act und öffnete damit den Himmel über Amerika für den freien Wettbewerb. Fast zwei Jahrzehnte später folgten die Europäer diesem Vorbild.

Doch betrachtet man heute den US-Luftverkehr, könnte man den damaligen Delta-Chef fast für einen Visionär halten. Zwar ermöglichte die Deregulierung erstmals breiten Bevölkerungsschichten mit Sondertarifen das Fliegen, doch im Jahre 1998 sind die Flugpreise insgesamt so hoch wie nie zuvor. Vor allem Geschäftsreisende, die sich nicht an lange Vorausbuchungsfristen halten können, werden zur Kasse gebeten.

Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Business-Tarife um 86 Prozent gestiegen. Die Wirtschaft boomt und damit auch die Nachfrage nach Inlandsflügen. In diesem Jahr werden mit schätzungsweise über 600 Millionen Inlandspassagieren fast 100 Millionen Fluggäste mehr in die Luft gehen als noch vor zwei Jahren. Der freie Wettbewerb ist dabei in weiten Teilen des Landes längst abgeschafft, die großen Gesellschaften haben den Kuchen unter sich aufgeteilt. Schlimmer noch, die Megacarrier wie Delta, United, American, USAirways sind dabei, sich untereinander zu noch größeren Konglomeraten zusammenzuschließen. Für kleine Anbieter mit niedrigen Preisen ist kaum Platz, die jüngsten Opfer sind Western Pacific Airlines aus Colorado und die nur kurzzeitig auferstandene Pan Am aus New York.

An den Drehkreuzen sind die Flugpreise am höchsten

"Nach der Deregulierung haben sich die großen Gesellschaften entschieden, daß der beste Weg zu konkurrieren der ist, nicht zu konkurrieren und sich in die eigenen Drehkreuze wie in eine Festung zurückzuziehen", weiß Alan McArtor, früherer Chef der US-Luftfahrtbehörde FAA und heute selber Flugunternehmer.

Eines der Hauptprobleme im US-Luftverkehr ist die Dominanz der Großen an ihren Drehkreuzen, den sogenannten Hubs, wo im Durchschnitt die Flugpreise um 22 Prozent höher liegen als anderswo. Northwest beispielsweise läßt an ihren wichtigsten Flughäfen Detroit (Marktanteil 80 Prozent) und Minneapolis (84 Prozent der Abflüge) Mitbewerbern kaum Luft zum Atmen, bei Delta in Atlanta (79 Prozent)oder USAirways in Charlotte (93 Prozent) sieht es nicht viel anders aus.