Schon wieder ein Hochschulranking? Diesmal gar das ultimative? Nein, mit dem vergangene Woche in Berlin veröffentlichten "Studienführer Chemie und Wirtschaftswissenschaften" (test-Spezial, 164 S., 14,80 DM) haben die Stiftung Warentest und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) einen neuen Maßstab für den Vergleich von Hochschulen geschaffen. Er ist das Ergebnis der bisher umfassendsten Untersuchung deutscher Hochschulen, und seine Autoren machen vor, wie man wunderbar Äpfel und Birnen miteinander vergleichen kann indem man den Apfel einen Apfel sein läßt und die Birne eine Birne.

Vergeblich sucht der Leser deshalb nach einer plakativen Rangliste, die alle Kriterien in sich vereinigt. An welcher Universität studiert man am besten Chemie und Biochemie? An welcher Uni oder Fachhochschule am besten Wirtschaftswissenschaften? Der neue Studienführer hält die Antwort darauf parat, allerdings als Puzzle, das sich jeder nach eigenem Gusto zusammensetzen kann. So viel Zeit muß sein. Schließlich ist die Wahl des Studienortes ein "multivariables Entscheidungsfeld", wie Detlef Müller-Böling den Ansatz der Autoren beschreibt. Der Betriebswirt war Rektor der Universität Dortmund und leitet jetzt das CHE.

Der neue Studienführer macht den künftigen Studenten oder Studienortwechsler mit vielen Entscheidungsvariablen vertraut (siehe Abbildung). Als alte Bekannte aus den Rankings grüßt unvermeidlich die "Professorenfrage": Auf welche Hochschule würden Sie Ihr Kind schicken, wenn einzig die Qualität der Ausbildung ausschlaggebend wäre? Hier dominieren die westdeutschen Traditionsuniversitäten. Das höchste Ansehen bei den Professoren haben der Chemiefachbereich der Technischen Universität München, die Fakultäten für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft der Universität Mannheim und unter den Wirtschaftsfachhochschulen die FH Reutlingen. Professorenlob, das sollte man wissen, gilt vorwiegend den Leistungen der Kollegen in der Forschung - was sie lehren, wird kaum registriert.

Reutlingen und Jena liegen vorn

Vom Hörsaalklappstuhl aus bietet sich ein ganz anderes Bild. Die Studenten haben es gerne klein, überschaubar, legen Wert auf Kontakt zu ihren Hochschullehrern und Kommilitonen. Die zufriedensten Betriebswirtschaftsstudenten findet man erwartungsgemäß vor allem an den Privatuniversitäten (Spitzenreiter: European Business School Oestrich-Winkel). Die staatlichen Wirtschaftsfachhochschulen können hingegen erfolgreich mit der privaten Konkurrenz mithalten (Spitzenreiter: FH Reutlingen). Die zufriedensten Chemiestudenten gibt es in Jena, wo viel Kraft in die Lehre investiert und die Forschung erst aufgebaut wird. Der Testheft-Leser, der sich für ein Chemiestudium interessiert, könnte nun auf die Idee kommen, zunächst in Jena zu studieren, um die Grundlagen der Wissenschaft zu verstehen, und fürs Hauptstudium zu einer Uni zu wechseln, an der aktiver geforscht wird. Dazu wären ein paar Informationen über Jena als Studienort hilfreich.

Der Studienführer verrät beispielsweise: traditionsreiche thüringische Universitätsstadt mit hohem Studierendenanteil. Das Studentenwerk bietet eine Kinderbetreuung an, und der Durchschnittsmietpreis für Wohnungen beträgt 12,70 Mark pro Quadratmeter.

Das ist solide Verbraucheraufklärung, wie man sie von der Stiftung Warentest gewohnt ist. Für universitäre Sachkunde steht das von der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragene CHE, die Denkfabrik für Hochschulpolitik in Deutschland.