Amsterdam

Das Modell Holland existiert nicht, es ist eine Erfindung. Vor vier Jahren lobte Bundeskanzler Helmut Kohl die flexiblen Niederländer wegen ihrer geringeren Arbeitslosigkeit und der vielen Teilzeitjobs. Fast 500 000 Arbeitsstellen wurden seitdem geschaffen

die Arbeitslosigkeit beträgt keine fünf Prozent.

Die Zahlen mögen stimmen, doch in Wirklichkeit befinden sich viele Schiffswracks im niederländischen Rheindelta. Die Erfolge der Großen Koalition (paarse coalitie) des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Wim Kok beeindrucken so sehr nicht: Viele der neuen Arbeitsstellen sind billige Teilzeitjobs, die Staatsschuld ist nur minimal gesenkt worden. Wenn Koks fröhliche Truppe tatsächlich herausragende Leistungen vollbracht hätte, käme auch die Koalitionsbildung nach der Wahl am 6. Mai schneller voran. Mit einer satten Mehrheit von 97 der 150 Abgeordneten könnte der links-konservative Kurs locker fortgesetzt werden.

Dies wird jedoch nicht der Fall sein. Die Regierung hat wichtige Entscheidungen (Grundrente, Privatisierung der Bahn) vor sich hergeschoben.

Der Wunschpartner VVD, die konservativ-liberale Partei, vertritt einen strikten Sparkurs, weil weniger Wirtschaftswachstum erwartet wird.

Unterdessen macht sich der linke Flügel von Koks sozialdemokratischer PvdA breit, der Milliarden für das Sozialsystem ausgeben möchte.