Die Bewohner der Bergdörfer warnen die durchreisenden Abenteurer: "Der Schatz ist verflucht. Viele sind bei der Suche schon ums Leben gekommen."

Doch die lassen sich nicht abschrecken. Mit der Schneeschmelze im Frühling kommen sie aus dem ganzen Land in die südpolnischen Beskiden. Ausgerüstet mit Metalldetektoren und Pendeln, machen sie ausgerechnet hier Jagd auf einen sagenumwobenen Inka-Schatz.

Ausgangsort der Nachforschungen ist das Dörfchen Niedzica am Dunajec-Fluß. In dessen Burg sollen sich vor etwa 200 Jahren Nachfahren der Inka-Könige aus Peru geflüchtet haben - verfolgt vom spanischen Geheimdienst.

Nun sind die Gurale, ebenjene polnischen Bergbewohner, nicht gerade bekannt für historische Genauigkeit, sondern eher für geräucherten Schafskäse, bunte Trachten, Aberglauben und eine Vorliebe für Legenden. Deshalb haben die meisten Medien die Geschichte um das polnische Eldorado mit einigem Spott kommentiert. Doch einer wollte es genau wissen: Hat es wirklich eine Verbindung zwischen Niedzica und Peru gegeben? Nach seiner fünfjährigen Spurensuche, die ihn vom Süden Polens über Archive in Venedig nach Tschechien führte, hat der Warschauer Journalist Aleksander Rowi°ski ein Buch darüber geschrieben. "Die Quellen haben mich überzeugt", sagt er. "Inkas sind wirklich nach Niedzica gekommen." Daß sie dabei auch Gold und Silber mitbrachten, konnte Rowi°ski nicht nachweisen.

Und so soll sich die Geschichte abgespielt haben: Im 18. Jahrhundert verschlägt es den Adligen Sebastian Berzeviczy von Niedzica nach Peru. Dort heiratet er eine Inka-Prinzessin. Beider Tochter Umina soll später dem peruanischen Revolutionär Tupac Amarú einen Sohn geboren haben. Amarú führt 1780 einen Aufstand gegen die spanischen Herrscher an

er verliert jedoch den Kampf und wenig später sein Leben. Auch Berzeviczy wird von den Spaniern verfolgt und muß fliehen. Zusammen mit seiner Tochter Umina, seinem Enkel und einigen Inkas schlägt er sich über Venedig nach Niedzica durch. Dort werden sie von den Spaniern eingeholt, die Umina ermorden. Berzeviczy gelingt es jedoch, seinen Enkel bei der tschechischen Familie Benesz in Sicherheit zu bringen. Sie adoptiert den Jungen und gibt ihm den Namen Anton.

Damit hätten sich die Vorfälle für immer im Dunkel der Geschichte verlieren können. Doch im Jahr 1946 findet Andrzej Benesz, ein Nachfahre Antons, bei Ausgrabungen auf der Burg Niedzica einen Quipu - Knotenschnüre, wie sie die Inkas angefertigt haben. Aufgrund des Fundes und eines Testaments aus dem Familienbesitz ist Benesz überzeugt: Irgendwo in der Nähe von Niedzica haben die Inkas einen Schatz versteckt, mit dem sie in Europa Waffen für den Kampf ihrer Landsleute gegen die Spanier kaufen wollten. Doch wo genau, das wußte Benesz nicht. Denn das Quipu hat man nie entschlüsseln können. Das genaue Wissen um die Knotenschnüre ging mit dem Untergang des Inka-Reiches verloren.