Kurz bevor elektronisches Geld die altgewohnten Lappen zum Verduften bringt, wollte der Wiener Künstler Robert Jelinek den Duft der Scheine noch einmal eingefangen wissen und erteilte den verdutzten Managern einer Parfumfirma den Auftrag, im olfaktorischen Labor den wissenschaftlich exakten Geruch druckfrischer Banknoten zu ermitteln. Unter eine besondere Art von Käseglocke gelegt, entstieg den Scheinen ein herbes Extrakt aus Metall, Druckerschwärze, Papier und Mahagoni. Robert Jelinek, als documenta-Störer bekannt, füllte die Essenz in verbeulte Sprühdöschen mit der Aufschrift "Cash" und erklärte sie zum Eau de Toilette. Im Bankenviertel von Zürich präsentierte er dieses Kunstwerk in einem Geldtransporter, dessen Fahrer ihm bestätigte, er habe die Duftnote exakt getroffen.

Durch den Einsatz des neuen Parfums werde zwar erreicht, daß "jeder, ob reich, ob arm, nun nach Geld riechen" könne, ein "konkreter Gesellschaftsentwurf" sei mit einer solchen "Intervention in verkrustete Strukturen jedoch nicht vorgelegt", monierte die Basler Zeitung. Mehr gesellschaftskritisches Potential billigte die Süddeutsche Zeitung dem Artefakt zu, das auf Knopfdruck Geld verspricht: Das Aussprühen von Geldgestank in Musikklubs führe den versammelten Jugendlichen "die Flüchtigkeit des Mediums Geld" vor. "Cash läßt sich aber auch als Kommentar zu gängigen Parfumwerbungen verstehen, die etwa Just be sagen - Just pay meinen."

Moderner als seine Interpreten aus dem gesellschaftskritischen Feuilleton, die das aktuelle ästhetische Strategem der Entdifferenzierung von Spaß und Ernst grundsätzlich nicht zur Kenntnis nehmen wollen, denkt der Künstler selbst: "Wir wollen unser Image so vermarkten wie einen Ferrari-Duft. Mit unserem Produkt kauft man mehr eine Idee als einen Geruch." Jelinek hat der Firma Opel vorgeschlagen, eine limitierte Edition ihrer Autos nach dem Vorbild der verbeulten Geldspraydose mit einer individuell handgefertigten Delle zu gestalten - bisher leider ohne Erfolg.

Auch mit seinen neuesten Plänen ist der Meister der Sabotagekunst unterwegs zum Automobil: Mit dem Geruch des Geldes möchte er ganz normale Banknoten imprägnieren, um sie aufzuwerten. Die penetrant nach sich selbst duftenden Scheine werden dann wie Wunderbäume in Tüten verpackt und in Zubehörmärkten angeboten. Als Zielgruppe dürften jene zahlreichen Autofahrer in Frage kommen, die sich gleichermaßen von Geld- und Geruchsproblemen geplagt fühlen.

In alchimistischer Manier hofft der Künstler Geld machen zu können, indem er einen Zehnmarkschein für zwanzig Mark verkauft. Immerhin entspricht ein solcherart angereicherter Schein in seinem Duft einem Wert von grob gerechnet 50 000 Mark. Sobald der Gestank sich verflüchtigt hat, kann das vom Rückspiegel baumelnde Geld wieder als solches verwendet werden. Im Notfall auch früher.

Wie nahe Kunst und Alltagskultur heute aneinandergerückt sind, beweist ein ähnlich surreales Produkt, das ohne jede künstlerische Absicht entstanden und in Zubehörmärkten schon jetzt recht preisgünstig zu haben ist: "Sweet smell of money" heißt der "Lufterfrischer" in Monetenform, ein stinkendes Filzläppchen mit dem Aufdruck einer Hundertdollarnote.

Der Satz "Geld stinkt nicht" geht auf Vespasian zurück, der im ersten Jahrhundert eine Fäkaliensteuer einführte. Beinahe zwei Jahrtausende später las Sigmund Freud dieses geflügelte Wort als Verleugnung des gestanklichen Ursprungs des menschlichen Geldinteresses und gründete auf diese Einsicht seine Anthropologie des Kapitals. Doch noch ein weiteres Jahrhundert mußte vergehen, bis Robert Jelinek - ebenfalls in Wien - erkannte, daß die Unbewußtheit der Gestanksdimension des Geldes nur eine Frage der Wahrnehmungsschwelle ist. Durch stoffliche Verdichtung machte er ein Stück vom dunklen Kontinent des Unmerklichen riechbar. Damit ist die ökonomistische Auffassung vom Geld als "neutraler Recheneinheit" objektiv widerlegt. Es hat einen Duft! Ob der Euro Aufschwung oder Krise bringt, wird sich daran entscheiden, wie sein Odeur den Menschen schmeckt.