An Büchern zum Thema Globalisierung herrscht inzwischen kein Mangel. Der global talk, aber auch die Rede von der Zweiten Moderne haben den alten Diskurs von der Postmoderne abgelöst. Doch damit nicht genug. Der Londoner Soziologe Martin Albrow versucht sogar, seinen Münchner Kollegen Ulrich Beck, in dessen Edition Zweite Moderne die deutsche Übersetzung von "The Global Age" (1996) erscheint, noch zu überbieten. Denn glaubt man Albrow, dann ist Beck immer noch dem alten Vokabular und der überholten Sehweise der Moderne verhaftet. "Entziehen wir uns", ruft Albrow, "dem erstickenden Einfluß der Moderne auf unsere Vorstellungskraft! Wir leben in unserer eigenen Zeit, und das Globale Zeitalter eröffnet uns auf beispiellose Weise neue Welten." Im Gegenzug verspricht er dann, "die neue Epoche mit Begriffen zu beschreiben, die nicht spezifisch modern sind". Nur - welche Begriffe sind es? Und welche neuen Aussichten eröffnen sie?

Albrow legt großen Wert auf die Feststellung, daß nur der Begriff "Globalität" der Wirklichkeit des neuen Zeitalters gerecht werde. Das Wort "Globalisierung" dagegen lasse zu sehr an das zielgerichtete "Projekt der Moderne" denken. Das aber sei endgültig vorüber, und nur wer von "Globalität" spreche, bringe die irreversible Einsicht zum Ausdruck, daß wir in einer Epoche leben, in der Fortschritte expansiver Art zu Ende sind. Sie können nicht einmal mehr sinnvoll gedacht werden. Unwiderruflich ist uns die Begrenztheit des Globus als einzigem Operationsfeld zu Bewußtsein gekommen.

Damit schlägt die Stunde der Weltbürgerschaft. Im Mittelpunkt ihres Handelns steht die Zukunft unseres Planeten.

Kronzeugen für diese Entwicklung gibt es für Albrow genug. Es sind internationale Bewegungen wie die Menschenrechts-, Friedens-, Umweltschutz- und Frauenbewegung. Alle zusammen bilden für ihn nun eine Art "globalen Staat", der "immer dann ins Leben tritt, wenn das Individuum in seinem Handeln die Interessen eines weltumspannenden Gemeinwohls berücksichtigt und sich entsprechend verhält". Aber dieser globale "Staat" besteht nicht nur aus den temporären und zufälligen Handlungen von Individuen, die über den Globus verstreut sind

Albrow spricht auch von vernetzten Strukturen und sozialen Technologien, die für "neue demokratische Mechanismen" ebenso zur Verfügung stehen sollen wie für die "Buchung von Flugtickets" oder den "Handel mit fremden Währungen". Menschen, die sich mittels solcher Techniken für globale Gemeingüter einsetzen, bezeichnet Albrow als "performative Weltbürger" eines "globalen Staates".

Es fragt sich, ob Albrows Rede vom "globalen Staat" und seine Beispiele wirklich ein überzeugendes Beispiel für ein Denken abgeben, das glaubt, sich vom "erstickenden Einfluß der Moderne" befreit zu haben. Soziologische Analysen und Interpretionen jedenfalls bleibt er schuldig. So glaubt er ja nicht nur, daß mit der globalen Expansion die Begrenztheit der Erde ins Bewußtsein der Weltbevölkerung getreten sei

er rühmt auch die neue "Interaktion" zwischen Mensch und Natur. Das allerdings ist, angesichts der Realitäten nach der Konferenz von Rio, eine erstaunliche Behauptung. Worin soll das neue globale Naturverhältnis bestehen, das sich vorteilhaft vom modernen unterscheidet? Albrow bleibt auch hier den Nachweis schuldig.