Neue Offenheit oder nur PR, das ist die Frage. Jedenfalls hat sich die Deutsche Shell zu dem Novum durchgerungen, ihren ersten Umweltbericht nicht selbst zu verfassen, sondern damit das unabhängige Ifeu-Institut aus Heidelberg zu beauftragen. Herausgekommen ist dabei das, was sich der Shell-Vorstandsvorsitzende Rainer Laufs wohl insgeheim erhofft hatte: die ökologische Absolution des Mineralölunternehmens, dessen Tankstellen noch vor drei Jahren aus Protest gegen die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar im Atlantik von vielen Verbrauchern gemieden wurden. Nun attestiert Ifeu-Chef Ulrich Höpfner dem Unternehmen nicht nur, alle behördlichen Auflagen einzuhalten, sondern auch, die Möglichkeiten zum Energiesparen bereits weitgehend ausgeschöpft zu haben zudem seien Gesundheitsrisiken aufgrund von Luftverschmutzungen durch Shell-Aktivitäten so gut wie ausgeschlossen. Nicht unter die Lupe genommen haben die Ifeu-Prüfer allerdings die Umwelteffekte bei der Rohölförderung sowie beim Kraftstoffverbrauch.

Dennoch: Shell ist sichtlich bemüht, den durch die Brent Spar-Affäre angerichteten Imageschaden vergessen zu machen. In den Vereinigten Staaten trat man aus dem Klub der Klimafrevler namens Global Climate Coalition aus, in Deutschland berief man den früheren Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt in den Vorstand, und Anfang Juni legte Shell-Chef Laufs in Gelsenkirchen den Grundstein für die weltweit größte Solarzellenfabrik.