Die Anzeichen für eine Große Koalition nach der Bundestagswahl mehren sich.

Am vergangenen Donnerstag gab es im 16. Stockwerk des Bonner Abgeordnetenhauses eine Feier zu Ehren der SPD-Abgeordneten Peter Conradi, Dietrich Sperling und Eckart Kuhlwein, die im Herbst aus dem Bundestag ausscheiden. Kuhlwein, ein Vertreter der parteiinternen "parlamentarischen Linken" und passionierter Leiter des interfraktionellen Kabaretts Die Wasserwerker, stimmte dabei Tucholskys "Lied vom Kompromiß" an. Wörtlich heißt es da: "Wartend schaun die Schwarzen und die Roten, die bislang sich feindlich oft bedrohten, wer am Wahltag wohl zuerst es wagt, und als erster zu dem andern sagt: Schließen wir 'nen kleinen Kompromiß! Davon hat man keine Kümmernis. Einerseits und andrerseits - so ein Ding hat manchen Reiz. Sein Erfolg in Deutschland ist gewiß! Schließen wir 'nen kleinen Kompromiß!"

Obwohl der Text bereits siebzig Jahre alt ist und Kuhlwein ein rotgrünes Bündnis favorisiert, versicherte der SPD-Politiker mit Blick auf ein möglicherweise ungünstiges Wahlergebnis: "Der Text ist immer aktuell."