Der Spaß ist nicht vorbei, auch wenn das zynisch klingt. Ein Mensch liegt im Koma, aber der Ball rollt, es fallen Tore, der Jubel klingt wie immer.

Fußball hilft beim Vergessen. Das gilt auch für die Probleme, die der Fußball selbst schafft oder die mit ihm zusammenhängen.

Der Spaß ist doch vorbei. Wenn der Ball nicht rollt, dann geht es um Gewalt, deren Ursachen. Kommt es noch schlimmer? Es war so angenehm, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob Bundestrainer Berti Vogts besser mit Häßler oder mit Hamann spielen läßt. Es ist furchtbar, darüber nachzudenken, was aus dem Polizisten Daniel Nivel und seiner Familie wird. Deutsche Hooligans haben ihn nach dem Spiel Deutschland gegen Jugoslawien fast totgeschlagen. Er trägt bleibende Hirnschäden davon.

Mag sein, daß Behörden nicht aufgepaßt, eine Warnung des Deutschen Fußball-Bundes in den Wind geschlagen haben. Wenn etwas Schlimmes passiert, dann hat jemand zuwenig getan das gilt fast immer. Aber es ist unmöglich, immer genug zu tun. Gewalt ist da, sie sucht sich ihren Weg.

Irgendwann ist der Spaß vollends vorbei: Hubschrauber über dem Stadion, Hundertschaften in schwarzer Kampfmontur, hysterische Hunde - schon jetzt hat man nicht immer das Gefühl, ein Spiel zu besuchen. Auch beim Fußball verlangt die Freiheit ihren Preis. Weil es um die Freiheit geht, Spaß zu haben, fällt die Einsicht besonders schwer.

Schlügen die Hooligans zu, weil sie arbeitslos und arm sind, könnte man Lösungen vorschlagen. So einfach ist es jedoch nicht. Vielleicht waren Arbeitslose in jener Horde von Lens dabei, und bestimmt schwangen chauvinistische Ideen mit. Aber im Grunde geht es bei Hooligans um etwas anderes: um Gewalt an sich. Sie steckt drin im Menschen, ist taub für Appelle an die Moral, und manchmal bricht sie aus. Das ist heute nicht schlimmer als früher. Jede Epoche hat ihre eigenen Gewaltphänomene. Hooliganismus, eine Ausgeburt von Sattheit und Langeweile, ist ein Phänomen unserer Zeit: kein deutsches, sondern eines hochentwickelter Zivilisationen.

Mit Fußball habe das alles nichts zu tun, sagen nun jene, die von diesem Spiel leben. Sie haben nur zum Teil recht. Zwar geht die Gewalt nicht vom Fußball aus, aber sie sucht das Fußballmilieu, weil es Gewalt begünstigt.